Zusammenfassung & Wichtigste Erkenntnisse
GSR (Galvanic Skin Response), auch bekannt als EDA (Electrodermal Activity), misst Veränderungen der Hautleitfähigkeit, die durch die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen hervorgerufen werden, welche wiederum vom sympathischen Nervensystem gesteuert wird.
In iMotions werden GSR/EDA-Daten über Integrationen mit Shimmer, BIOPAC und PLUX Biosignals erfasst, wobei eine vollständige Zeitsynchronisation über multimodale Datenströme hinweg gewährleistet ist.
Das Signal wird zerlegt in:
- SCL (Hautleitfähigkeitswert) → tonische Grunderregung
- SCR (Hautleitfähigkeitsreaktion) → phasische ereignisbezogene Spitzen
Zu den wichtigsten berechneten Kennzahlen gehören:
- Anzahl der SCR-Spitzen (ereignisbezogene Reaktionen)
- Spitzenamplitude (Ansprechintensität)
- Anstiegszeit (Ansprechgeschwindigkeit)
- Halbe Erholungszeit (Rückkehr zum Ausgangswert)
iMotions verarbeitet EDA-Daten automatisch mithilfe von R-Notebooks, darunter:
- Signalfilterung (z. B. Butterworth)
- Tonisch-phasische Zerlegung
- Spitzenwert-Erkennung und Ereignisabgleich
GSR/EDA ist ein validiertes Maß für die Intensität emotionaler Erregung, aber:
- Es misst NICHT die emotionale Valenz (positiv vs. negativ)
GSR/EDA findet breite Anwendung in:
- Psychophysiologische Forschung
- Neuromarketing und Werbetests
- Forschung zu Benutzererfahrung und Human Factors
- Klinische Studien und Simulationsstudien
Table of Contents

1. Was ist GSR/EDA in iMotions?
Die galvanische Hautreaktion (GSR), auch als elektrodermale Aktivität (EDA) bekannt, ist definiert als die variable elektrische Leitfähigkeit der Hautoberfläche, die Veränderungen in der Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen widerspiegelt, die vom sympathischen Nervensystem gesteuert werden.
Zwar ist EDA der derzeitige wissenschaftliche Standardbegriff, doch wird GSR in der Industrie und in der angewandten Forschung nach wie vor häufig verwendet. Weitere verwandte Begriffe sind Hautleitfähigkeitsreaktion (SCR), Hautleitfähigkeitsniveau (SCL), elektrodermale Reaktion (EDR) und psychogalvanischer Reflex (PGR). In iMotions wird das Modul als EDA/GSR bezeichnet, um beiden Konventionen Rechnung zu tragen.
Die GSR wird gemessen, indem eine geringe, konstante und nicht wahrnehmbare Spannung an zwei Elektroden angelegt wird, die auf der Hautoberfläche (in der Regel an der Handinnenseite der Finger oder an der Handfläche selbst) angebracht sind, und die daraus resultierende elektrische Leitfähigkeit in Mikrosiemens (μS) gemessen wird.
Wenn die Aktivität des sympathischen Nervensystems zunimmt – aufgrund von emotional bedeutsamen, erschreckenden, bedrohlichen oder kognitiv anspruchsvollen Reizen –, steigern die ekkrinen Schweißdrüsen ihre Produktion. Diese Veränderung verändert die elektrischen Eigenschaften der Haut und führt zu einem messbaren Anstieg der Leitfähigkeit.
Die GSR wird als Maß für die emotionale Erregung eingestuft und definiert als die Intensitätsdimension des emotionalen Erlebnisses (wie stark eine Person aktiviert ist), unabhängig von der Valenz (ob das Erlebnis positiv oder negativ ist). Ein lautes Geräusch, eine aufregende Belohnung, ein aversives Bild und ein sexuell relevanter Reiz können alle vergleichbare GSR-Reaktionen hervorrufen.
Aus diesem Grund sollte die GSR nicht als eigenständiger Maßstab für Emotionen herangezogen werden, liefert jedoch in Kombination mit valenzsensitiven Messgrößen (z. B. Gesichtsausdrucksanalyse, Selbstauskunft oder aus dem EKG abgeleitete Kennzahlen) äußerst aussagekräftige Informationen.
2. Theoretische Grundlagen: Das sympathische Nervensystem und die Aktivität der Schweißdrüsen
Die ekkrinen Schweißdrüsen an den Handflächen und Fußsohlen werden ausschließlich vom sympathischen Teil des autonomen Nervensystems innerviert. Im Gegensatz zu anderen physiologischen Messgrößen, die sowohl die sympathische als auch die parasympathische Regulation widerspiegeln (wie beispielsweise die Herzfrequenz), ist die Hautleitfähigkeit (GSR) eine reine Messgröße des sympathischen Nervensystems. Wenn die sympathische Aktivierung zunimmt – bei emotionaler Erregung, Stress, kognitiver Anstrengung oder Ereignissen, die hohe Aufmerksamkeit erfordern –, steigt die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen, wodurch die Hautleitfähigkeit erhöht wird.
GSR spiegelt zwei unterschiedliche, sich überschneidende Komponenten wider:
- Hautleitfähigkeitsniveau (SCL): Die tonische, sich langsam verändernde Grundkomponente des GSR-Signals. Das SCL spiegelt die allgemeine autonome Erregung über längere Zeiträume (Minuten bis Stunden) wider und variiert in Abhängigkeit von der Flüssigkeitszufuhr, der Hauttemperatur und anhaltenden emotionalen Zuständen. Es ist innerhalb einer Sitzung relativ stabil und eignet sich am besten zur Erkennung einer anhaltenden Erregung.
- Hautleitfähigkeitsreaktion (SCR): Die phasische, sich schnell verändernde Komponente der GSR, die kurze Ausbrüche sympathischer Aktivierung als Reaktion auf bestimmte Ereignisse widerspiegelt. SCRs zeigen sich als Spitzen, die der SCL-Grundlinie überlagert sind. Tritt eine SCR innerhalb von etwa 1–5 Sekunden nach einem Reiz auf, wird sie als ereignisbezogene SCR (ER-SCR) klassifiziert. Spontane Spitzen ohne identifizierbare Auslöser werden als unspezifische SCRs (NS-SCRs) klassifiziert und treten typischerweise 1–3 Mal pro Minute auf.
3. So funktioniert GSR in iMotions: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Platzierung der Elektroden und Einrichtung des Geräts
GSR-Elektroden werden an der Handinnenseite von zwei Fingern (in der Regel Zeige- und Mittelfinger) der nicht-dominanten Hand angebracht, wobei je nach Gerät entweder Ag/AgCl-Elektrodenscheiben mit isotonischem Gel oder Trockenelektroden verwendet werden. Eine einheitliche Platzierung verringert die Variabilität. Die Teilnehmer sollten stillhalten, um Bewegungsartefakte zu minimieren.
Schritt 2: Signalübertragung und -visualisierung
Das GSR-Gerät überträgt kontinuierlich Hautleitfähigkeitsdaten in Echtzeit an iMotions Lab. Die Forscher überwachen das Live-Signal, um die Stabilität der Basislinie und ein geringes Maß an Artefakten sicherzustellen.
Schritt 3: Präsentation des Stimulus und Synchronisation der Zeitstempel
Die GSR-Aufzeichnung erfolgt parallel zur Stimuluspräsentation. In die Signalzeitachse werden Ereignismarker eingebettet, wodurch sich stimulusgebundene SCRs bei der Analyse identifizieren lassen.
Schritt 4: Signalverarbeitung mit R Notebook
Das iMotions GSR R Notebook automatisiert:
- Bewertung der Signalqualität
- Butterworth-Tiefpassfilter (~5 Hz)
- Aufschlüsselung in tonische (SCL) und phasische (SCR) Komponenten
- Spitzenwert-Erkennung (z. B. Schwellenwert > 0,01 μs)
- Berechnung von Amplitude, Anstiegszeit und Halbwertszeit
Es unterstützt zudem das Epoching, also die Aggregation von Antworten innerhalb definierter Zeitfenster relativ zu den Stimuli.
Schritt 5: Datenexport
Zu den exportierten Daten gehören das rohe GSR-Signal, SCL, SCR, erkannte Peaks (Zeitstempel, Amplitude, Anstiegszeit, Erholungszeit) sowie Ereignismarker im CSV-Format.
4. Unterstützte Hardware
Shimmer Research
Der Shimmer3 GSR+ ist ein kompakter, tragbarer, drahtloser GSR-Sensor, der nativ in iMotions integriert ist. Der Shimmer3 GSR+ unterstützt sowohl GSR-Aufzeichnungen im Labor als auch ambulante GSR-Aufzeichnungen und lässt sich über Bluetooth mit iMotions verbinden. Er zählt zu den am häufigsten verwendeten GSR-Geräten in der iMotions-basierten Forschung.
BIOPAC-Systeme
BIOPAC-GSR-Module (GSR100C-Verstärker, drahtloses GSR-System von Bionomadix) bieten kabelgebundene und drahtlose GSR-Aufzeichnungen in Forschungsqualität, die in iMotions integriert sind. Die BIOPAC-Systeme in Laborqualität werden häufig als Referenzstandard für die GSR-Signalgenauigkeit in kontrollierten Laborstudien verwendet.
PLUX Biosignale
Der Biosignalsplux-GSR-Sensor ist in iMotions integriert und sowohl für akademische als auch für klinische GSR-Messungen konzipiert. Der PLUX-Sensor nutzt eine rauscharme Signalaufbereitung, die für die Erkennung selbst von GSR-Ereignissen mit geringer Amplitude optimiert ist.
Auswahl der GSR/EDA-Hardware
5. Wichtige Kennzahlen und Ergebnisse
Rohes GSR-Signal
Das rohe GSR-Signal ist definiert als die unverarbeitete, kontinuierliche Zeitreihe der Hautleitfähigkeit, gemessen in Mikrosiemens (μS). Das Rohsignal enthält sowohl die tonische SCL-Grundlinie als auch die darüber liegenden phasischen SCR-Komponenten und dient als Eingabe für alle nachfolgenden Zerlegungen und Spitzenanalysen.
Hautleitfähigkeitswert (SCL)
SCL ist die tonische Komponente, die aus dem rohen GSR-Signal nach Entfernung der phasischen SCR-Anteile extrahiert wird. SCL dient als Maß für die anhaltende autonome Erregung über längere Zeiträume hinweg sowie für Basisvergleiche zwischen verschiedenen Versuchsbedingungen.
Anzahl der GSR-Spitzen
Die GSR-Spitzenanzahl ist definiert als die Anzahl der einzelnen GSR-Spitzen, die innerhalb eines festgelegten Zeitintervalls erfasst werden. Die Spitzenanzahl ist eine häufig verwendete GSR-Zusammenfassungskennzahl in ereignisbezogenen Versuchsdesigns, bei denen die Anzahl der Spitzen pro Reizbedingung ein Maß dafür liefert, wie viele Erregungsreaktionen eine bestimmte Reizkategorie hervorgerufen hat.
Spitzenamplitude
Die Spitzenamplitude ist definiert als die Differenz in μS zwischen dem Beginn einer SCR-Spitze (Tiefstwert vor dem Anstieg) und dem Spitzenmaximum. Eine höhere Spitzenamplitude deutet auf eine stärkere sympathische Erregungsreaktion auf den vorangegangenen Reiz hin.
Spitzenanstiegszeit
Die Anstiegszeit des Spitzenwerts ist definiert als die Dauer in Sekunden vom Einsetzen des Spitzenwerts bis zum Erreichen des Spitzenwerts. Die Anstiegszeit spiegelt die Geschwindigkeit der sympathischen Aktivierungsreaktion wider.
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit des Signals ist definiert als die Dauer in Sekunden vom maximalen Wert bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Signal wieder die Mitte zwischen dem Maximalwert und der Basislinie vor dem Spitzenwert erreicht hat. Die Halbwertszeit spiegelt die Geschwindigkeit der Deaktivierung des sympathischen Nervensystems nach einem Erregungsereignis wider.
6. Integration mit anderen Behandlungsmethoden
GSR + Analyse der Mimik (FEA):
GSR erfasst die Intensität der autonomen Erregung (wie stark die Person aktiviert ist), ohne dabei die Valenz (positiv oder negativ) anzugeben. FEA erfasst die emotionale Valenz sichtbarer Gesichtsausdrücke. Die Kombination aus GSR-basierter Erregung und FEA-abgeleiteter Valenz – innerhalb der einheitlichen Zeitachse von iMotions – ermöglicht die Konstruktion eines zweidimensionalen affektiven Zustands, der mit dem Circumplex-Modell der Affekte (Russell, 1980) übereinstimmt. Dies ist eine der häufigsten multimodalen Paarungen in der iMotions-Forschung.
GSR + Eye-Tracking:
Eye-Tracking liefert kontinuierliche Blickdaten, die Aufschluss darüber geben, wohin ein Teilnehmer schaut, während die Hautleitfähigkeitsmessung (GSR) momentane Erregungsdaten liefert. Durch diese Kombination können Forscher ermitteln, welche spezifischen visuellen Elemente Erregungsreaktionen auslösen, was eine präzise, stimulusbezogene Analyse der emotionalen Beteiligung in Verbindung mit dem Aufmerksamkeitsverhalten ermöglicht.
GSR + EEG:
Die GSR misst die periphere sympathische Erregung, während das EEG die kortikale elektrische Aktivität im Zusammenhang mit kognitiven und emotionalen Prozessen erfasst. Diese Signale unterscheiden sich physiologisch voneinander und ergänzen sich: Die GSR erfasst die Intensität und den zeitlichen Verlauf autonomer Erregungsreaktionen, während das EEG die zugrunde liegenden neuronalen Prozesse widerspiegelt. Diese Kombination findet breite Anwendung in der Forschung zur Emotionsregulation, in Studien zur Entscheidungsfindung und im Neuromarketing.
GSR + EKG:
Sowohl die Hautleitfähigkeit (GSR) als auch das EKG spiegeln die Aktivität des autonomen Nervensystems wider. Die Hautleitfähigkeit ist ein reines Maß für die sympathische Aktivität (Aktivität der Schweißdrüsen), während das EKG die kombinierte sympathische und parasympathische Herzregulation widerspiegelt. Die gleichzeitige Erfassung beider Signale mit iMotions liefert ein vollständigeres Bild des autonomen Gleichgewichts und der Erregungsdynamik als jedes der beiden Signale für sich allein.
GSR + Sprachanalyse:
Die Stimmungsanalyse erfasst akustische Korrelate von Erregung und emotionalem Ausdruck in der Sprache, während die Hautleitwertmessung (GSR) die diesen Stimmveränderungen zugrunde liegende physiologische Erregung erfasst. Diese Kombination unterstützt die Forschung zur Authentizität von Emotionen in der Stimme, zur Täuschungserkennung und zur klinischen Beurteilung der Übereinstimmung des emotionalen Ausdrucks. Der folgende Artikel untersucht, wie die Kombination von GSR (EDA) mit Sprachdaten eine Emotionserkennung in Echtzeit ermöglicht.
7. Anwendungsfälle nach Branche und Forschungsbereich
Marktforschung und Werbung: GSR/EDA in iMotions ist eine der am häufigsten verwendeten Messgrößen bei Werbe- und Content-Tests. GSR-Spitzenwerte weisen auf Momente in Werbespots, im Einzelhandel oder bei der Interaktion mit Produkten hin, die eine deutliche Erregungsreaktion hervorrufen. GSR wird genutzt, um emotional fesselnde Momente zu identifizieren, die Wirkung kreativer Elemente zu bewerten und die Reaktionen der Verbraucher bei verschiedenen Stimulusvarianten zu vergleichen.
UX-Forschung und Produkttests: UX-Forscher nutzen GSR/EDA, um Erregung und Stress während der Interaktion mit Benutzeroberflächen, der Navigation auf Websites und bei Tests zur Produktbenutzerfreundlichkeit zu messen. Eine erhöhte GSR-Aktivität während der Aufgabenausführung weist auf frustrierende, verwirrende oder besonders fesselnde Interaktionsmomente hin, die die Teilnehmer möglicherweise nicht in Worte fassen oder in ihrer Selbstauskunft nicht genau wiedergeben.
Akademische Psychologie und Psychophysiologie: Wissenschaftler nutzen GSR/EDA als Standardmaß für die sympathische Erregung in Studien zu Angstkonditionierung, Aufmerksamkeit, kognitiver Belastung, Stress, Emotionsregulation und klinischer Psychopathologie. GSR blickt auf eine lange, validierte Geschichte in der psychophysiologischen Forschung zurück, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reicht, und ist eines der am häufigsten untersuchten physiologischen Erregungsmaße in diesem Bereich.
Klinische Forschung: Klinische Forscher nutzen die GSR in iMotions, um autonome Dysregulation bei Patientengruppen mit Angststörungen, PTBS, Schizophrenie und Autismus-Spektrum-Störungen zu beurteilen – Erkrankungen, die mit einer veränderten elektrodermalen Labilität oder Stabilität einhergehen. Die GSR liefert einen nonverbalen, nicht-invasiven Index der autonomen Reaktivität, der sich für klinische Patientengruppen eignet, deren Fähigkeit zur verbalen Selbstauskunft eingeschränkt ist.
Forschung zu menschlichen Faktoren und Sicherheit: Forscher im Bereich der menschlichen Faktoren nutzen die Hautleitfähigkeit (GSR), um Arbeitsbelastung, Stress und Erregung in sicherheitskritischen Betriebsumgebungen zu messen. In Simulatorstudien (im Straßenverkehr, in der Luftfahrt und in der industriellen Steuerung) identifiziert die GSR Aufgabenbedingungen oder Umgebungsereignisse, die eine erhöhte Aktivierung des sympathischen Nervensystems hervorrufen und damit auf erhöhten Stress oder erhöhte Erregung beim Bediener hindeuten.
VR-Forschung: In den Studien von iMotions wird GSR/EDA häufig mit VR kombiniert, um die physiologische Erregung in immersiven virtuellen Umgebungen zu messen. Da VR-Umgebungen starke emotionale Reaktionen hervorrufen können, während die Teilnehmer körperlich unbewegt bleiben, liefert GSR einen aussagekräftigen Indikator für die emotionale Auseinandersetzung mit virtuellen Inhalten.
8. Vorteile gegenüber alternativen Methoden
GSR im Vergleich zu Fragebögen zur Erregungsmessung: Fragebögen zur Erregungsmessung setzen einen bewussten Zugang zum inneren Zustand, die verbale Beschreibung dieses Zustands sowie ehrliche Angaben voraus. GSR bietet eine kontinuierliche, nicht-invasive und objektive Messung der sympathischen Erregung, die weder Anstrengung noch sprachliche Fähigkeiten seitens der Teilnehmer erfordert, nicht der Verzerrung durch soziale Erwünschtheit unterliegt und Erregungsreaktionen in Echtzeit statt rückblickend erfasst.
GSR im Vergleich zu Cortisol: Speichelcortisol ist ein validierter Biomarker für Stressreaktionen des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Systems, erreicht seinen Höchstwert jedoch erst 20 bis 30 Minuten nach Stressbeginn, ermöglicht keine momentane Erfassung der Erregung und erfordert Probenentnahmeverfahren, die die Studienaufgaben unterbrechen. GSR ermöglicht eine kontinuierliche Erfassung der Erregung in Echtzeit während der gesamten Versuchssitzung, ohne dass eine Probenentnahme erforderlich ist.
GSR im Vergleich zur Pupillometrie: Die Pupillenerweiterung (gemessen mittels Eye-Tracking in iMotions) spiegelt ebenfalls die Aktivierung des sympathischen Nervensystems wider und kann in manchen Kontexten als Ersatzmaß für die Erregung dienen. Die Pupillometrie erfordert einen Eye-Tracker und wird durch Helligkeitsänderungen beeinflusst, die reflexartige Pupillenreaktionen hervorrufen, die unabhängig vom Erregungszustand sind. Die GSR wird nicht durch die Helligkeit visueller Reize beeinflusst und liefert ein direkteres und gut validiertes Maß für die sympathische Erregung.
9. Einschränkungen und zu beachtende Punkte
Die GSR misst die Erregung, nicht die Valenz Die wichtigste Einschränkung der GSR als eigenständiges Messverfahren besteht darin, dass sie die Intensität der emotionalen Erregung widerspiegelt, ohne anzugeben, ob die Erfahrung positiv oder negativ ist. Eine angenehme Überraschung und ein beängstigendes Ereignis können vergleichbare GSR-Reaktionen hervorrufen. In emotionalen Forschungsdesigns sollte die GSR stets mit valenzsensitiven Messverfahren kombiniert werden.
Gewöhnung an wiederholte Reize: GSR-Reaktionen gewöhnen sich an – d. h., ihre Amplitude und Häufigkeit nehmen ab –, wenn derselbe Reiz wiederholt präsentiert wird. Die Neuheit des Reizes ist ein wesentlicher Faktor für GSR-Spitzen. Bei Versuchsdesigns mit wiederholten Messungen oder Studien, die eine mehrfache Präsentation desselben Reiztyps erfordern, müssen Gewöhnungseffekte bei der Analyse berücksichtigt werden.
Anfälligkeit für Bewegungsartefakte: Körperliche Bewegungen, einschließlich Hand- und Armbewegungen, verursachen Bewegungsartefakte im GSR-Signal. Für eine valide GSR-Messung ist es erforderlich, die Teilnehmer anzuweisen, still zu sitzen, und dies mit einer automatischen Erkennung von Bewegungsartefakten bei der Analyse zu kombinieren. Am Handgelenk getragene Geräte (Empatica E4) sind anfälliger für Bewegungsartefakte als am Finger angebrachte Elektroden.
Interindividuelle und demografische Variabilität: Die GSR-Amplitude und der SCL-Ausgangswert variieren erheblich zwischen den einzelnen Personen aufgrund von Unterschieden in der Dichte der ekkrinen Schweißdrüsen, dem Flüssigkeitshaushalt, der Hauttemperatur, dem Alter und der Einnahme von Medikamenten. Manche Personen werden als elektrodermal labil (häufige spontane SCRs) und andere als elektrodermal stabil (wenige spontane SCRs) eingestuft – eine Unterscheidung mit bekannten genetischen und klinischen Korrelaten. Vergleiche der GSR-Amplitude zwischen den Teilnehmern erfordern eine angemessene Normalisierung oder Designs innerhalb der Teilnehmer.
10. FAQ: EDA/GSR in iMotions
Was misst iMotions GSR?
iMotions GSR misst die elektrische Leitfähigkeit der Hautoberfläche, die sich als Reaktion auf die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen verändert, die durch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems ausgelöst wird. Das Modul liefert das rohe GSR-Signal, den tonischen Hautleitfähigkeitswert (SCL), phasische Hautleitfähigkeitsreaktionen (SCR), ereignisbezogene Spitzenanzahlen, Spitzenamplitude, Anstiegszeit und Halbwertszeit.
Ist GSR dasselbe wie EDA?
Die galvanische Hautreaktion (GSR) und die elektrodermale Aktivität (EDA) bezeichnen dasselbe physiologische Phänomen, nämlich Veränderungen der elektrischen Leitfähigkeit der Haut, die durch die Aktivität der sympathischen Schweißdrüsen hervorgerufen werden. EDA ist der derzeitige wissenschaftliche Standardbegriff, während GSR in der Industrie und in der angewandten Forschung weit verbreitet ist. iMotions bezeichnet das Modul als EDA/GSR, um beiden Bezeichnungen Rechnung zu tragen.
Kann man anhand der Hautleitfähigkeit erkennen, ob eine emotionale Reaktion positiv oder negativ ist?
GSR allein kann nicht zwischen positiven und negativen emotionalen Reaktionen unterscheiden. GSR misst die Intensität der sympathischen Erregung, nicht deren Valenz. Um festzustellen, ob eine Erregungsreaktion positiv oder negativ ist, sollte GSR mit einer valenzsensitiven Messmethode wie der Gesichtsausdrucksanalyse (FEA), der Stimmenanalyse oder der Selbstauskunft in iMotions kombiniert werden.
Welche Hardware unterstützt GSR/EDA in iMotions?
iMotions integriert nativ GSR/EDA-Hardware von Shimmer Research (Shimmer3 GSR+), BIOPAC (GSR100C, Bionomadix wireless) und PLUX Biosignals. Die Wahl der Hardware hängt von den Anforderungen der Studie hinsichtlich Signalgenauigkeit, Tragekomfort, Mobilität und der Verträglichkeit der Elektroden durch die Teilnehmer ab.
Was ist die GSR-Spitzenerkennung und wie funktioniert sie bei iMotions?
Die GSR-Spitzenerkennung ist die automatische Identifizierung diskreter phasischer SCR-Ereignisse im GSR-Signal. In iMotions erfolgt die Peak-Erkennung über das GSR R Notebook, das folgende Schritte durchführt: Tiefpassfilterung des phasischen Signals, Identifizierung von Anstiegspunkten (an denen das Signal einen Schwellenwert überschreitet, typischerweise >0,01 μS) und Identifizierung von Abfallpunkten (an denen das Signal einen Schwellenwert unterschreitet, typischerweise <0 μS). Jeder erkannte Peak wird durch seine Amplitude, Anstiegszeit und Halbwertszeit charakterisiert.
Weiterführende Lektüre zum Thema Multimodalität
- Analyse von Gesichtsausdrücken in iMotions: Ein umfassender Leitfaden für Technik und Forschung
- Was ist die EDA-Spitzenerkennung und wie funktioniert sie?
- Was sind R-Notebooks in iMotions?
Literaturverzeichnis
- Boucsein, W. (2012). Elektrodermale uhttps://psycnet.apa.org/record/2012-00422-000ctivitye (2. Auflage). Springer.
- Dawson, M. E., Schell, A. M. & Filion, D. L. (2007). Das elektrodermale System. In J. T. Cacioppo, L. G. Tassinary & G. G. Berntson (Hrsg.), Handbuch der Psychophysiologie (3. Aufl., S. 159–181). Cambridge University Press.
- Fowles, D. C. et al. (1981). Empfehlungen für die Veröffentlichung von elektrodermalen Messungen. Psychophysiology, 18(3), 232–239.
- Russell, J. A. (1980). Ein Zirkumplex-Modell der Affekte. Journal of Personality and Social Psychology, 39(6), 1161–1178.
- Benedek, M., & Kaernbach, C. (2010). Eine kontinuierliche Messung der phasischen elektrodermalen Aktivität. Journal of Neuroscience Methods, 190(1), 80–91.
