EMG-Sensoren: Alles, was Sie wissen müssen

Erfahren Sie, wie die Elektromyographie (EMG) die bei Muskelkontraktionen entstehenden elektrischen Impulse erfasst. Diese Technologie wandelt subtile körperliche Gesten in objektive Daten um und ermöglicht es Forschern, Muskelermüdung, Nervenfunktionen und emotionale Reaktionen anhand von Gesichtsbewegungen zu bewerten.

Jede unserer Bewegungen geht mit komplexen physiologischen und chemischen Prozessen in unserem Körper einher. Die Technologie, mit der diese Aktivität aufgezeichnet wird, nennt sich Elektromyographie (EMG). Wenn sich ein Muskel zusammenzieht, erzeugt er einen elektrischen Impuls, der Gewebe und Knochen durchdringt und an den umliegenden Hautstellen leicht erfasst werden kann.

Die Erfassung erfolgt über EMG-Sensoren, die die durch die Muskelbewegung ausgelöste Aktivität „lesen“ und in Daten umwandeln. In diesem Artikel geben wir Ihnen einige Informationen zu EMG-Sensoren und dazu, wie Sie je nach Ihren Forschungszielen den passenden Sensor auswählen können. 

Was sind EMG-Sensoren und wie funktionieren sie?

Wenn man von Muskelbewegungen hört, denken manche Menschen vielleicht an komplexe Bewegungen wie Laufen oder komplizierte Übungen im Fitnessstudio. Tatsächlich erzeugt jedoch jede noch so kleine Geste – wie das Bewegen eines Fingers oder das Ballen der Faust – ein elektrisches Signal im Körper. EMG-Sensoren erfassen diese Aktivität und erkennen so mögliche Nervenfunktionsstörungen, Muskelermüdung oder eine einfache Reaktion auf einen Reiz. 

Bei EMG-Sensoren werden Elektroden (leitfähige Pads) auf der betreffenden Hautstelle angebracht. Wenn Sie beispielsweise untersuchen möchten, wie sich die Gesichtsmuskeln einer Person verändern, wenn sie ein bestimmtes Video sieht, werden diese Elektroden an bestimmten Stellen im Gesicht angebracht. Jedes Mal, wenn diese Muskeln aktiviert werden, senden die darin enthaltenen Fasern elektrische Impulse aus, die eine Kontraktion der Muskeln bewirken. Dies führt zu elektromyografischen Signalen, die von den EMG-Geräten aufgezeichnet werden. 

Die besten EMG-Sensorlösungen

Bei der Auswahl von EMG-Geräten ist es wichtig, bestimmte Kriterien wie beispielsweise die Empfindlichkeit zu berücksichtigen und Ihre allgemeinen Forschungsziele im Blick zu behalten. In den folgenden Abschnitten finden Sie einige Beispiele für EMG-Sensoren und Forschungsbereiche, in denen diese am besten zum Einsatz kommen. 

PLUX EMG-Sensor

Der PLUX-EMG-Sensor ist ein vielseitiges Gerät, das sowohl für akademische als auch für klinische Anwendungen konzipiert wurde und die durch Muskelkontraktionen erzeugte elektrische Aktivität erfasst. Der PLUX-EMG-Sensor ist für seine hohe Genauigkeit und Zuverlässigkeit bekannt und wird häufig in der Forschung in den Bereichen Biomechanik, Sportwissenschaft, Rehabilitation und Ergonomie eingesetzt.

Dieser Sensor eignet sich hervorragend zur Messung der Muskelaktivität, zur Beurteilung der Nervenleitung und zur Analyse von Bewegungsmustern. Dank seines nicht-invasiven und kabellosen Designs eignet er sich besonders für Untersuchungen, bei denen Bewegungsfreiheit erforderlich ist, darunter Ganganalyse, Haltungsbeurteilung und Echtzeit-Feedback während der Physiotherapie.

Shimmer3 EMG

Der Shimmer3-EMG-Sensor, der für seine klinischen Anwendungen außerhalb des akademischen Bereichs bekannt ist, erfasst die durch Muskelkontraktionen verursachte elektrische Aktivität und bewertet die Nervenleitung, die Muskelreaktion in verletztem Gewebe sowie den allgemeinen Aktivierungsgrad. In einigen Bereichen wird er zudem zur Bewertung und Messung der Biomechanik menschlicher oder tierischer Bewegungen eingesetzt. Aufgrund seiner nicht-invasiven Funktionsweise ist der Shimmer3-EMG-Sensor eine effiziente drahtlose Lösung für die Erfassung von Daten zur Muskel-, Gang- oder Haltungsanalyse. 

Consensys Base15

Consensys ist das erste Multisensor-Managementsystem von Shimmer. Es umfasst eine Softwarelösung, mit der Sie alle Daten Ihrer Probanden auf einfache und effiziente Weise verwalten können. Mit diesem Gerät können Sie bis zu 60 Sensoren gleichzeitig konfigurieren und deren Daten erfassen, was die Speicherung der aufgezeichneten Daten sowie die Vorbereitung von Studien vereinfacht. Dank seiner intuitiven Benutzeroberfläche kann Consensys sowohl von technisch versierten als auch von technisch weniger versierten Anwendern bedient werden.

BIOPAC EMG100C

Der BIOPAC EMG100C ist ein kompakter und vielseitiger EMG-Verstärker, der sich ideal für Forschungsanwendungen eignet, darunter auch die Gesichts-Elektromyographie (fEMG). Er ist in der Lage, die elektrische Aktivität von allgemeinen und Skelettmuskeln zu verstärken, und seine Integration mit der iMotions-Software ermöglicht die EMG-Integration in Echtzeit sowie eine detaillierte Frequenzanalyse der EMG-Daten.

Diese Funktion ist besonders wertvoll bei fEMG-Untersuchungen zur Analyse emotionaler Reaktionen, da sie Aktivitäten in Gesichtsmuskeln wie dem Zygomaticus, dem Orbicularis oculi und dem Corrugator erfassen kann. Der modulare Aufbau des EMG100C ermöglicht eine einfache Systemkonfiguration und macht es somit für Studien mit mehreren Probanden geeignet. Darüber hinaus bietet es wählbare Signalaufbereitung, was seinen Nutzen in verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsumgebungen erhöht.

Faktoren, die bei der Auswahl von EMG-Sensoren zu berücksichtigen sind

Wenn Sie sich für den Kauf von Elektromyographie-Sensoren (EMG) interessieren – sei es für klinische, Forschungs- oder andere Anwendungen –, sollten Sie unbedingt einige wichtige Kriterien berücksichtigen. Hier sind einige davon.

Diese wesentlichen Kriterien umfassen technische Spezifikationen wie Abtastrate und Kanalanzahl, doch ein entscheidender Aspekt, der bei jeder Anschaffung zu berücksichtigen ist, ist die finanzielle Investition. Um einen umfassenden Leitfaden zur Budgetierung und Beschaffung zu erhalten, sollten Sie sich eingehender mit den Kosten für EMG-Geräte befassen.

Anzahl der Kanäle

Sobald Sie sich über den konkreten Einsatzzweck des EMG-Sensors im Klaren sind (z. B. Forschung, klinische Diagnose, sportliche Leistung, Rehabilitation usw.), überlegen Sie, wie viele Kanäle Sie benötigen. Dazu können Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Wie viele relevante Muskelgruppen werden Sie untersuchen? 
  • Wie komplex ist die Aufgabe? 
  • Benötigen Sie eine hervorragende zeitliche und räumliche Auflösung? 
  • Gibt es bei Ihnen Budgetbeschränkungen? 
  • Wie detailliert müssen die Daten sein? 

Die Anzahl der Kanäle in den EMG-Sensoren bestimmt, inwieweit der Sensor in der Lage ist, Muskelaktivität an mehreren Stellen gleichzeitig aufzuzeichnen. Je mehr Kanäle vorhanden sind, desto umfangreicher ist daher die Datenausgabe, die Sie am Ende erhalten. Insgesamt sollte die Anzahl der Kanäle in EMG-Sensoren auf Ihre Forschungsziele, die Komplexität der zu untersuchenden Muskelaktivitäten, Ihr Budget sowie die Praktikabilität der Datenerfassung und -analyse abgestimmt sein.

Abtastrate

Bei der Auswahl eines bestimmten EMG-Sensors sollten Sie auch die Abtastrate berücksichtigen. Diese hat Einfluss auf die Qualität und Genauigkeit der erfassten Daten. Kurz gesagt bezieht sich die Abtastrate darauf, wie oft der EMG-Sensor pro Sekunde Daten zur Muskelaktivität aufzeichnet und digitalisiert; sie wird in der Regel in Hertz (Hz) gemessen.

Ein EMG-Sensor mit einer höheren Abtastrate bietet eine bessere zeitliche Auflösung, sodass Sie schnelle und subtile Veränderungen der Muskelaktivität erfassen können. Dies bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich. So führen höhere Abtastraten beispielsweise zu größeren Dateien, die mehr Speicherplatz und Rechenleistung für die Verarbeitung und Analyse erfordern. Daher sollten Sie sich des möglichen Kompromisses zwischen Datenqualität und Speicherplatz bewusst sein. 

Sensortyp

Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist der Sensortyp. Hier sollten Sie bestimmte Optionen im Hinterkopf behalten, wie zum Beispiel:

  • Oberflächen-EMG: Diese Verfahren sind nicht-invasiv, komfortabel und einfach anzuwenden
  • Intramuskulär, was invasiv ist und ein höheres Risiko für Infektionen und Gewebeschäden birgt
  • Drahtlos vs. kabelgebunden 
EMG-Sensoren: Alles, was Sie wissen müssen

Bei der Wahl des Sensortyps sollten Sie auch den Komfort und die Akzeptanz der jeweiligen Person berücksichtigen (so kann beispielsweise der Einsatz eines invasiven Sensors bei schutzbedürftigen Menschen in der Praxis schwierig sein) sowie die Kosten und die Verfügbarkeit des Sensors. 

Kompatibilität

Zu guter Letzt sollten Sie sicherstellen, dass Ihr EMG-Sensor mit unserem Datenerfassungssystem oder unserer Software kompatibel ist. Prüfen Sie die Kompatibilität mit gängigen Plattformen und Schnittstellen wie Bluetooth, USB oder analogen Ausgängen.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert die Elektromyographie?

Die Elektromyographie (EMG) erfasst und analysiert die elektrische Aktivität, die durch Muskelbewegungen und -kontraktionen entsteht. Dabei werden Elektroden an der zu untersuchenden Stelle angebracht, die elektrische Signale aufnehmen, welche anschließend zu einem analogen EMG-Signal verstärkt werden. Anhand dieser Daten können Forscher Erkenntnisse über die Muskelfunktion und das Vorliegen neuromuskulärer Erkrankungen gewinnen. 

Sind EMG-Sensoren sicher in der Anwendung?

Elektromyographie-Sensoren (EMG) sind im Allgemeinen sicher in der Anwendung. Es müssen jedoch geeignete Verfahren und Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, insbesondere bei invasiven Sensoren, bei denen ein höheres Risiko für Gewebeschäden besteht. 

Einige potenzielle Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit diesen Sensoren betreffen das Infektionsrisiko, Beschwerden und Schmerzen, allergische Reaktionen (aufgrund des Elektrodenmaterials), die elektrische Sicherheit sowie die Ausbildung und Kompetenz des mit dem EMG befassten Technikers. Aufgrund dieser Risiken müssen jederzeit strenge Verfahren eingehalten werden. Diese Verfahren beziehen sich auf die ordnungsgemäße Entsorgung von Nadeln und Elektroden, die Einwilligung und Kommunikation mit der Person, die Sauberkeit und Sterilität der Arbeitsumgebung, ethische Belange sowie die angemessene Ausbildung des Forschers. 

Wie hoch ist die Frequenz des EMG?

Die elektrische Aktivität des Muskels wird in EMG-Signale umgewandelt. Allerdings weisen nicht alle Signale dieselben Frequenzeigenschaften auf. Diese können je nach Faktoren wie Muskeltyp, Intensität der Muskelaktivität und dem Vorliegen neuromuskulärer Störungen variieren. So kann sich der Frequenzbereich von EMG-Signalen beispielsweise von wenigen Hertz bis zu mehreren hundert Hertz erstrecken, abhängig vom jeweiligen untersuchten Muskel, der Stärke der Kontraktion und den Leistungsmerkmalen der Messgeräte.


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