„The Dirty Dozen“, ein auf menschlichen Faktoren basierendes Rahmenwerk zur Identifizierung von Fehlerquellen, hat die Flugsicherheit revolutioniert. Dieser Artikel untersucht, wie diese Prinzipien durch die Forschung im Bereich der Biosensoren die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern können. Durch die Überwachung des Zustands des Fahrers und von Umgebungsfaktoren lassen sich Unfälle weiter reduzieren. Erfahren Sie, wie Erkenntnisse aus der Flugsicherheit die Fahrzeugsicherheit revolutionieren und die Verkehrssicherheit verbessern können.
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„The Dirty Dozen“ ist ein Rahmenkonzept für menschliche Faktoren zur Ermittlung von Ursachen für menschliches Versagen, das die Sicherheit in der Luftfahrtindustrie revolutioniert hat. Angesichts der kontinuierlichen Fortschritte in der Automobil- und Transportbranche untersucht dieser Artikel, wie Erkenntnisse aus der Luftfahrt zu Sicherheitsinnovationen im Fahrzeugbereich beitragen werden. Darüber hinaus wird in diesem Artikel aufgezeigt, wie die Forschung im Bereich der Biosensoren vielversprechende Möglichkeiten bietet, die Verkehrssicherheit durch die Echtzeitüberwachung des Fahrerzustands und von Umgebungsfaktoren weiter zu verbessern.
Das Wichtigste in Kürze:
- Erörterung des aktuellen Stands der Sicherheit in der Luftfahrt und der Auswirkungen auf die Sicherheitsforschung in der Automobilindustrie.
- Die Geschichte der „Dirty Dozen“ – 12 Faktoren, die zu menschlichen Fehlern beitragen
- Wie sich die „Dirty Dozen“ anhand physiologischer Kennzahlen messen lassen
Fliegen ist sicher
Flugreisen gelten als äußerst sicheres Verkehrsmittel, und 2023 war eines der sichersten Jahre in der Geschichte der Flugsicherheit. Bei allen IATA-Mitgliedsfluggesellschaften (330 Fluggesellschaften in über 120 Ländern, die 80 % des weltweiten Flugverkehrs ausmachen) gab es trotz 32 Millionen Flügen keinen einzigen tödlichen Unfall in der kommerziellen Luftfahrt.
32 Millionen Flüge. Keine tödlichen Unfälle in der kommerziellen Luftfahrt.
Man hört oft, dass Fliegen sicherer sei als Autofahren. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr über eine Million Menschen bei Verkehrsunfällen. Die Human-Factors-Forschung in der Automobilindustrie untersucht, wie bestimmte Ausstattungsmerkmale im Auto Verkehrsunfälle verhindern können. Die Luftfahrtindustrie ist seit jeher führend in der Entwicklung der Human-Factors-Forschung, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit der Passagiere. Doch das Fliegen war nicht immer so sicher wie heute.
Ein entscheidender Moment für die Flugsicherheit
Der Absturz des Air-Ontario-Flugs 1363 im Jahr 1989 war ein Wendepunkt für die Flugsicherheit in Nordamerika. Bei dem Start in Dryden, Ontario, trugen mehrere Faktoren dazu bei, dass die Fokker F28 kaum an Höhe gewann, in Brand geriet und am Ende der Startbahn in die Bäume stürzte, wobei 24 Menschen ums Leben kamen. Richter Moshansky leitete eine Kommission, die einen bahnbrechenden Bericht mit fast 200 Empfehlungen vorlegte, der sich nicht nur auf die Entscheidungen der Piloten und technische Mängel konzentrierte, sondern auch organisatorische und systemische Probleme im Zusammenhang mit dem Unfall von Dryden untersuchte.
Gordon Dupont, ein aufmerksamer Unfallermittler, der sich von Moshanksys Bericht inspirieren ließ, wurde Mitglied eines Ausschusses, der sich der Verhinderung ähnlicher Unfälle widmete. Laut seiner Tochter konzentrierte sich dieses Komitee auf Aufzeichnungen über Wartungsfehler, „die als ‚Unachtsamkeit‘ eingestuft werden konnten“, und identifizierte zwölf häufige Ursachen für menschliches Versagen, „die wir niemals beabsichtigen zu begehen“. Gordon Dupont wird die Erstellung einer Liste von Faktoren zugeschrieben, die zu menschlichem Versagen beitragen, bekannt als die „Dirty Dozen“. Diese Sicherheitsplakatkampagne hat die Forschung zu menschlichen Faktoren in vielen Branchen geprägt, darunter Verkehr, Bauwesen und Medizin.
Das Wesen der „Dirty Dozen“
Moshansky und Dupont schienen erkannt zu haben, dass die Einstufung von Unfällen als „durch Unachtsamkeit verursacht“ dazu führt, dass wir Möglichkeiten übersehen, deren Wiederholung zu verhindern. Wir alle neigen dazu, Fehler zu machen, und die Forschung zu menschlichen Faktoren zielt darauf ab, Systeme unter Berücksichtigung fehlbarer Menschen zu entwerfen, damit diese „gegenüber unerwarteten Ereignissen widerstandsfähig“ sind. Das Verständnis der Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit von Fehlern erhöhen, und deren Vermeidung beugen „durch Unachtsamkeit verursachten“ Unfällen vor. Diese Faktoren können auf individueller oder organisatorischer Ebene auftreten.

Physiologische Messwerte und die „Dirty Dozen“
Die Fortschritte im Bereich der Sicherheit in der Automobil- und Transportbranche ähneln denen in der Luftfahrt. Die Forschung zu menschlichen Faktoren hat zu Veränderungen bei der Gestaltung von Cockpits und Armaturenbrettern geführt. Autopiloten und Flugmanagementsysteme sind in der Luftfahrt bereits fest etabliert, während für Automobile autonome Fahrzeuge und Fahrerassistenzsysteme entwickelt und verbessert werden. Systeme zur Erkennung von Müdigkeit werden sowohl für die Luftfahrt als auch für die Automobilindustrie entwickelt.
Das „Dirty Dozen“-Konzept, das zur Verringerung von Unfällen in der Luftfahrt beigetragen hat, hilft auch Forschern im Bereich Human Factors dabei, die Ursachen von Verkehrsunfällen zu verstehen. Die Software von iMotions ist ein unschätzbares Werkzeug in der Human-Factors-Forschung, da sie die gleichzeitige Erfassung mehrerer physiologischer Messwerte ermöglicht und so die Datensynchronisation und -visualisierung vereinfacht. Unsere Software wird zum Testen von Fortschritten in der Sicherheitstechnik eingesetzt, damit Hersteller erkennen können, welche Änderungen wirksam sind und wie sich neue Technologien auf das menschliche Verhalten auswirken.
Aufmerksamkeit bei den „Dirty Dozen“: Ablenkung und mangelndes Bewusstsein
Ablenkung am Steuer ist eine der Hauptursachen für tödliche Verkehrsunfälle. Zu den Ablenkungen zählen das Betrachten des Mobiltelefons oder des Navigationsgeräts, Essen und Trinken sowie die Interaktion mit anderen Insassen während der Fahrt.

Der Begriff „Mangel an Situationsbewusstsein“ in der Forschung zu menschlichen Faktoren bezieht sich auf das Situationsbewusstsein. Das Situationsbewusstsein im Zusammenhang mit dem Autofahren umfasst:
- in ländlicheren Gegenden die Straßenränder nach Tieren abzusuchen, die möglicherweise versuchen könnten, die Straße zu überqueren.
- in der Nachbarschaft anzuhalten, wenn man einen Ball auf die Straße rollen sieht, in der Annahme, dass Kinder ihm folgen könnten
- an besonders stark befahrenen Kreuzungen etwas mehr Zeit einplanen
- auf die Fahrradwege in einer Stadt achten.
- Die Größe der toten Winkel beim Fahren in der Nähe von großen Fahrzeugen verstehen.

Ablenkung bedeutet eine vorübergehende Verlagerung der Aufmerksamkeit, während mangelndes Bewusstsein bedeutet, dass man sich relevanter Faktoren in der Umgebung nicht vollständig bewusst ist. Beides lässt sich mittels Eye-Tracking oder EEG messen.
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LÖSUNGEN: Fahrerüberwachungssysteme nutzen Kameras und Sensoren, um das Fahrverhalten zu überwachen und Rückmeldung zu riskanten Verhaltensweisen wie Ablenkung am Steuer oder Schläfrigkeit zu geben. Weitere Informationen finden Sie unter SmartEye.
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Psychische Gesundheit in den „Dirty Dozen“: Druck, Stress und Erschöpfung
Der psychische Zustand des Fahrers in Bezug auf Druck, Stress und Müdigkeit beeinträchtigt dessen Fähigkeit, sicher zu fahren.
Druck ist oft äußerlich bedingt und hängt mit bestimmten Erwartungen, Anforderungen oder Zwängen zusammen, die auf den Einzelnen einwirken. Er kann von Vorgesetzten, Kollegen, Unternehmenszielen oder Leistungsvorgaben ausgehen. Er kann aber auch innerlich entstehen, wenn man andere beeindrucken oder ihnen gefallen möchte. Druck kann den Einzelnen zu besseren Leistungen motivieren, doch unbewältigbarer Druck kann zu Fehlentscheidungen, Ängsten und Stress führen. Selbstauskunftsinstrumente können Aufschluss über den Druck geben, dem eine Person ausgesetzt ist, während Biosensoren Einblicke in die physiologischen Reaktionen auf den Stress liefern können.

Stress ist eine innere Reaktion auf herausfordernde oder bedrohliche Situationen. Er kann verschiedene Ursachen haben, wie beispielsweise enge Fristen, hohe Arbeitsbelastung, Konflikte oder Unsicherheit. Stress kann die Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen, die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöhen und zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen. Stress wurde mithilfe von EKG-, GSR-, EEG- und Atemmessungen erfasst.
Müdigkeit ist ein innerer Zustand körperlicher oder geistiger Erschöpfung, der durch längere Arbeitsphasen, unzureichende Erholung oder gestörte Schlafmuster entsteht. Müdigkeit kann die Reaktionszeiten beeinträchtigen, die Aufmerksamkeit verringern und die Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigen. In sicherheitskritischen Branchen stellt Müdigkeit ein erhebliches Problem dar, da sie zu Fehlern, Unfällen und verminderter Wachsamkeit führen kann. Müdigkeit wurde mithilfe von EEG, EKG, GSR, Eye-Tracking und Atemmessungen erfasst.
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Elektronische Fahrtenbuchgeräte (ELDs): ELDs erfassen die Lenkzeiten elektronisch, um die Einhaltung der Lenkzeitvorschriften sicherzustellen und einer Übermüdung der Fahrer vorzubeugen.
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Die schmutzigen Zwölf: Einstellungen
Selbstgefälligkeit spiegelt die Einstellung einer Person wider, die sich mit ihren Aufgaben vertraut fühlt und diese oft immer wieder ausführt, was zu einer Gleichgültigkeit gegenüber Sicherheitsrisiken führt. Dies kann dazu führen, dass man in vertrauten Gegenden rücksichtsloser fährt. Busfahrer und Lieferfahrer müssen oft dieselbe Route fahren und an denselben Haltestellen anhalten.
Normen spiegeln die kollektiven Verhaltensweisen und Einstellungen innerhalb einer Gruppe wider, die das Handeln des Einzelnen beeinflussen können. Das bloße Anhalten an Stoppschildern, das Nichtbeachten von Verkehrszeichen, wenn niemand in der Nähe zu sein scheint. Das Nichtbenutzen des Blinkers. Der Abstand, der zwischen den Fahrzeugen eingehalten wird. An vielen Orten ist es üblich, etwas über dem Tempolimit zu fahren.

Ein Ausbleiben von Veränderungen im Gesichtsausdruck oder in der Hautleitfähigkeit (GSR) in einer Situation, in der solche Veränderungen zu erwarten wären, könnte ein Hinweis auf Selbstgefälligkeit oder Gewöhnung sein. Mithilfe von Eye-Tracking lässt sich zudem feststellen, worauf die Fahrer ihre Aufmerksamkeit richten, und beurteilen, ob sich ihre Aufmerksamkeit während dieser riskanteren Verhaltensweisen verändert.
Die „Dirty Dozen“ – Mangelnde Kommunikation
Verkehrszeichen sind ein äußerst wichtiges Kommunikationsmittel für die Sicherheit und die Orientierung, das sowohl für Pendler als auch für Berufskraftfahrer von Bedeutung ist. Auch die Signale des Fahrers sind wichtige Kommunikationsmittel während der Fahrt. Dazu gehören Blinker, Bremslichter und Warnblinker. Die Verwendung von Blinkern unterliegt lokalen Vorschriften. Mithilfe von Eye-Tracking lässt sich feststellen, ob Fahrer Verkehrszeichen oder Signale anderer Fahrer wahrnehmen.

Die „Dirty Dozen“: Mangel an Teamgeist
Für Berufskraftfahrer in der Logistik- und Transportbranche haben viele Länder gesetzliche Vorschriften erlassen, die regeln, wie viele Stunden ein Fahrer pro Tag fahren darf, um Übermüdung zu vermeiden. Da die Unternehmen jedoch unter hohem Druck stehen, Waren schnell zu liefern, haben viele Logistikunternehmen das Teamfahren eingeführt. Das ist zwar eine clevere Lösung, bedeutet aber auch, dass man viele Stunden auf engstem Raum mit jemandem verbringen muss.
Erregungsindikatoren (wie Herzfrequenz und Atmung) geben Aufschluss über die Anspannung, die die Mitglieder dieses Teams empfinden. Die Stimmungsanalyse liefert Erkenntnisse aus der verbalen Kommunikation, die über die bloßen Worte hinausgehen.
Die „Dirty Dozen“: Mangelnde Durchsetzungsfähigkeit
Beim selbstbewussten Fahren geht es um Kommunikation, ähnlich wie Blinker anderen Verkehrsteilnehmern Ihre Absichten signalisieren. Unklare Signale beim Spurwechsel oder leichtes Bremsen können bei anderen Verkehrsteilnehmern zu Verwirrung führen. Das Verständnis dafür, welche Fahrmanöver bei anderen Verkehrsteilnehmern typischerweise Verwirrung stiften, ist ein wichtiger Forschungsbereich und entscheidend für die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge.
Entschlossenes Fahren ist nicht mit aggressivem Fahren zu verwechseln. Wir alle sind schon einmal einem Fahrer begegnet, der mit Vollgas eine Fahrspur entlangbrauste, anstatt abzuwarten, bis die Fahrspuren zusammenlaufen, oder der bei Gelb über eine Kreuzung raste und unweigerlich bei Rot über die Ampel fuhr. Oft ist dies auf Selbstgefälligkeit oder Druck zurückzuführen, wobei Biosensoren wie oben beschrieben zum Einsatz kommen können.

Die „Dirty Dozen“: Mangelndes Wissen
Dies ist ein Bereich, in dem die Automobil- und Transportbranche zahlreiche Fortschritte erzielt hat. Neuere Fahrzeuge (und Mobiltelefone) verfügen über GPS-Navigation, sodass man weiß, wo man sich befindet, über bevorstehende Baustellen und die Verkehrslage informiert wird, alternative Routen vorschlagen lassen kann und die aktuelle Geschwindigkeit mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vergleichen kann. Einige bieten sogar Funktionen, die bei gefährlichen Fahrbedingungen wie Glatteis auf der Straße helfen.
Technologien, die Autofahrern beim Einparken helfen, sind in Neufahrzeugen mittlerweile weit verbreitet. Rückfahrkameras bieten dem Fahrer ein breiteres Sichtfeld als der Rückspiegel, und viele neuere Fahrzeuge sind so ausgestattet, dass sie akustisch signalisieren, wie nah das Fahrzeug an umgebenden Objekten ist.
Ähnlich wie bei anderen „Dirty Dozen“-Ursachen ist Eye-Tracking hilfreich, um festzustellen, ob der Fahrer seinen Blick auf diese Informationen gerichtet hat, wie oft er diese Informationen überprüft und wann er den richtigen Zeitpunkt dafür wählt.
Die „Dirty Dozen“ – Mangel an Ressourcen
Sensoren, die für die Wartung eines Fahrzeugs relevant sind – etwa zur Anzeige des verbleibenden Kraftstoff- (oder Batterie-)Vorrats, des Reifendrucks oder der berühmt-berüchtigten, vagen „Check Engine“-Leuchte – sind bereits seit einiger Zeit im Einsatz. Es gibt auch Sensoren, die anzeigen, ob genügend Scheibenwischerflüssigkeit vorhanden ist, oder bei manchen Fahrzeugen, ob es Zeit für einen Ölwechsel ist. All dies sind Anzeigen für den Zustand der Fahrzeugkomponenten. Mithilfe von Eye-Tracking lässt sich testen, ob Fahrer diese Anzeigen beachten.

Fazit
„Dirty Dozen“ ist ein Rahmenkonzept für Ursachen menschlicher Fehler, das für die Automobil-, Transport- und Logistikbranche ebenso relevant ist wie für die Luftfahrt. Physiologische Messwerte sind hilfreich, um diese häufigen Fehlerquellen zu untersuchen. Die Software von iMotions optimiert den Prozess der Hardware-Synchronisierung zur Erfassung dieser Messwerte, der Datenerfassung und -analyse sowie der Erstellung intuitiver Visualisierungen dieser Informationen.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie mit der iMotions-Software Möglichkeiten zur Verbesserung der Fahrzeugsicherheit untersuchen können, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
