Was sind Emotionen und warum sind sie wichtig?

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Emotionen sind unbewusste physiologische Reaktionen, während Gefühle deren bewusste Interpretation sind. Grundemotionen lassen sich kategorisieren (z. B. Freude, Angst) oder entlang der Dimensionen Erregung und Valenz abbilden. Emotionen entstehen in verteilten Hirnnetzwerken, gehen der Kognition voraus und prägen das Verhalten, die Entscheidungsfindung und das soziale Verständnis. Da Selbstauskünfte nur begrenzt aussagekräftig sind, bieten Biosensoren wie EEG, GSR und Gesichtsanalyse objektive Möglichkeiten zur Messung emotionaler Reaktionen.

Wie geht es dir? Bist du glücklich oder traurig?

Wenn man uns danach fragt, können wir wahrscheinlich alle sagen, in welcher emotionalen Verfassung wir uns gerade befinden. Aber was bedeutet das? Wo entstehen Emotionen und wie wirken sie sich auf unseren Alltag aus?

Emotionen = Gefühle?

Für die meisten Menschen sind Gefühle und Emotionen so gut wie dasselbe. Natürlich würden wir sie als Synonyme betrachten – zwei Wörter mit derselben Bedeutung. Doch obwohl sie miteinander verknüpft sind, sind Emotionen und Gefühle doch recht unterschiedliche Dinge.

Emotionen beschreiben physiologische Zustände und entstehen unbewusst. In der Regel handelt es sich dabei um autonome körperliche Reaktionen auf bestimmte äußere oder innere Ereignisse. Gefühle hingegen sind subjektive Erfahrungen von Emotionen und werden von bewussten Gedanken und Überlegungen gesteuert. Das bedeutet, dass wir Emotionen haben können, ohne Gefühle zu empfinden, aber wir können keine Gefühle haben, ohne Emotionen zu empfinden.

Was sind unsere Grundemotionen?

Es gibt so viele vermeintliche Emotionen, wie Forscher unterschiedliche Meinungen darüber haben. Als Faustregel gelten sieben Grundemotionen: Freude, Überraschung, Angst, Ekel, Wut, Verachtung und Traurigkeit.

7 Grundemotionen – iMotions

Auf dieser Grundlage entwickeln wir sekundäre Emotionen, deren Anzahl sich auf über 25 belaufen kann. Jüngste Forschungsergebnisse der Universität Glasgow deuten jedoch darauf hin, dass Menschen nur vier statt sieben grundlegende Gesichtsausdrücke haben. Dies ist jedoch nur eine von mehreren Diskussionslinien, die Emotionen in Kategorien einteilen.

Andere Forscher verwenden bei der Analyse emotionaler Reaktionen zwei etablierte orthogonale Dimensionen – Arousal (Erregung vs. Ruhe) und Valenz (Positivität vs. Negativität). Erregung bezieht sich auf den psychophysiologischen Zustand des Wachseins und der Reaktionsfähigkeit auf Reize und ist für jede Art der Regulierung von Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung relevant. Allein anhand der Erregungsdimension lässt sich jedoch die Qualität einer Emotion nicht bestimmen. Ob eine Emotion positiv (Freude) oder negativ (Angst) ist, wird durch die Valenzdimension erfasst.

Welche Teile des Gehirns sind „emotional“?

Leider gibt es keine einzelne Gehirnregion, in der alle unsere positiven oder negativen Emotionen verarbeitet werden. Mehrere Studien haben jedoch Gehirnregionen identifiziert, die offensichtlich an der Verarbeitung sowohl positiver als auch negativer Emotionen beteiligt sind.

Emotionen entstehen durch die Synchronisation neuronaler Netzwerke im gesamten menschlichen Gehirn, an der sowohl visuelle und auditive Bereiche in den okzipitalen und temporalen Regionen, die eingehende Informationen verarbeiten, als auch selbstreferenzielle Bereiche in den parietalen Regionen beteiligt sind. Bei der Verarbeitung beispielsweise von freudigen Reizen stehen diese Bereiche in enger Wechselwirkung mit dem medialen orbitofrontalen Kortex.

Zudem hat sich gezeigt, dass der Nucleus accumbens bei dem Empfinden von Verlangen aktiv ist. Negative Emotionen wie Stress, Angst und Ekel hingegen werden im Allgemeinen mit viel tiefer liegenden und älteren Hirnstrukturen wie der Amygdala oder der Insula in Verbindung gebracht.

Sind Emotionen wirklich unbewusst?

Ja, das sind sie.

Nehmen wir das Beispiel, wie man sich zu Hause einen Horrorfilm ansieht – obwohl man sich in einer sehr sicheren Umgebung befindet und es nichts gibt, wovor man Angst haben müsste, kann man dennoch nervös und verängstigt werden. Es kann sogar vorkommen, dass man versucht, sich zu verstecken. Der Körper reagiert darauf mit tieferer Atmung, schnellerem Herzschlag und einer erweiterten Pupille.

Noch bevor man Angst bewusst wahrnehmen oder gar mit einem Schrei reagieren kann, hat das autonome Nervensystem bereits die Hebel betätigt und alle körperlichen Veränderungen ausgelöst. Dies zeigt einmal mehr, dass Emotionen nicht automatisch zu Gefühlen führen, aber dass sie unser Handeln zweifellos lenken.

Beeinflussen Emotionen unser Denken?

Emotionen haben eine gewisse Macht über unsere Gedanken. „Im Grunde genommen basiert unsere erste ‚Einschätzung‘ einer neuen Situation immer auf unseren Emotionen, Gefühlen und Einstellungen. Somit legen unsere Emotionen den Grundstein für das weitere Denken“, schreibt Ron Ritchart in seinem Artikel über Veranlagungen, Einstellungen und Gewohnheiten.

Die Tatsache, dass Emotionen „präkognitiv“ (d. h. noch vor dem Denken) auftreten, ist tatsächlich sehr hilfreich. Bei drohenden Gefahren bleibt einfach keine Zeit zum Nachdenken. Stattdessen „übernehmen“ Emotionen die Kontrolle und lösen innerhalb von Sekundenbruchteilen unmittelbare Verhaltensreaktionen aus, wodurch negative Folgen verhindert werden. Emotionen unterstützen die Entscheidungsfindung und dienen als Motivationsquelle, um geeignete Maßnahmen auszuwählen und zu ergreifen.

Warum brauchen wir Gefühle?

Kendra Cherry, Expertin für Psychologie, hat die fünf Hauptzwecke von Emotionen sehr treffend zusammengefasst: Emotionen helfen uns, aktiv zu werden, zu überleben, Gefahren zu erkennen und ihnen auszuweichen, Entscheidungen zu treffen und andere zu verstehen. Darüber hinaus helfen sie anderen Menschen, uns zu verstehen.

Aus evolutionärer Sicht sind Gehirnstrukturen, die kognitive Informationen verarbeiten (wie beispielsweise der Neokortex), wesentlich jünger als andere Gehirnbereiche, die autonom gesteuert werden (wie beispielsweise der Hirnstamm); man könnte also sagen, dass Emotionen einen viel größeren Einfluss auf das menschliche Verhalten haben als Kognition und rationale Entscheidungen.

Zudem beeinflussen die Emotionen anderer Menschen unsere eigenen, da sie bestimmte Informationen vermitteln. Wenn wir in einem Gesichtsausdruck Angst erkennen, neigen wir dazu, sofort nach gefährlichen oder bedrohlichen Reizen in unserer Umgebung Ausschau zu halten. Ebenso fühlen wir uns wohl und sicher, wenn wir bei anderen Freude wahrnehmen. Folglich lassen sich Emotionen, Denkprozesse und das Verhalten von Menschen leicht durch emotionale Reize beeinflussen.

Wie lassen sich Emotionen messen?

Was Emotionen sind und wie sie wahrgenommen werden, hängt von vielen Faktoren ab. Daher kann es schwierig sein, Menschen nach ihren Emotionen zu fragen, da verbale Schilderungen offenbar von der eigenen Wahrnehmung innerer Zustände, kulturellen Einflüssen und sprachlichen Fähigkeiten beeinflusst werden.

Eine Möglichkeit, dies zu umgehen, besteht darin, physiologische Messgrößen zu verwenden, die universell anwendbar und objektiver sind als verbale Angaben. Erregung und Valenz lassen sich beispielsweise mithilfe verschiedener kognitiv-verhaltenstherapeutischer Methoden messen, wie EEG, GSR, EKG, Gesichtsausdrucksanalyse oder Eye-Tracking.

Literaturverzeichnis

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2756702/

https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0539018405058216

https://www.tandfonline.com/toc/pcem20/current


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