Wie viele Emotionen gibt es und wie äußern sie sich?

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Menschliche Emotionen sind komplex, und Experten sind sich uneinig über ihre genaue Anzahl. Theorien wie Ekmans sechs Grundemotionen, Plutchiks Rad und dimensionale Modelle untersuchen emotionale Ausdrucksformen, kulturelle Unterschiede und physiologische Reaktionen. Emotionen zeigen sich in Körper, Geist und Verhalten und prägen Erfahrungen, Entscheidungen und soziale Interaktionen auf universelle und zugleich einzigartige Weise.

Was sind unsere Grundgefühle?

Emotionen sind ein grundlegender Bestandteil der menschlichen Erfahrung, doch sind sich die Experten uneinig darüber, wie viele Emotionen es genau gibt. Einige Theorien konzentrieren sich auf eine kleine Gruppe von Kernemotionen, während andere Dutzende unterschiedlicher emotionaler Zustände unterscheiden. Unabhängig von der Gesamtzahl sind sich die meisten Modelle darin einig, dass es eine Handvoll Grundemotionen gibt, die allen Menschen gemeinsam sind und deren Ausdrucksformen kulturübergreifend erkennbar sind. 

Diese Grundemotionen lösen koordinierte Veränderungen in unserem Geist und Körper aus – von physiologischen Reaktionen (wie Herzfrequenz oder Hormone) bis hin zu psychologischen Empfindungen und Verhaltensäußerungen. In diesem Artikel werden wir wichtige psychologische Modelle der Emotionen untersuchen, darunter Paul Ekmans Grundemotionen, Plutchiks Emotionsrad und Dimensionsmodelle, und erörtern, wie diese Emotionen zwar universell anerkannt sind, sich jedoch mit individuellen und kulturellen Unterschieden ausdrücken. Außerdem werden wir beschreiben, wie sich Kernemotionen in Form von körperlichen Reaktionen, subjektiven Erfahrungen und Verhalten manifestieren.

Paul Ekmans Grundemotionen (Theorie der diskreten Emotionen)

Ein einflussreiches Modell stammt vom Psychologen Paul Ekman, der auf der Grundlage interkultureller Studien zu Gesichtsausdrücken eine Reihe von Grundemotionen identifiziert hat. Ekman schlug ursprünglich sechs universelle Emotionen vor: Wut, Überraschung, Ekel, Freude (Glück), Angst und Traurigkeit. 

Diese Emotionen tauchten in der Forschung immer wieder auf – so konnten beispielsweise Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen diese Gefühle anhand von Fotos mit Gesichtsausdrücken zuverlässig erkennen. Ekmans klassische Studien aus den 1960er- und 1970er-Jahren (darunter auch Arbeiten mit abgelegenen Stämmen in Neuguinea) zeigten, dass diese sechs Gesichtsausdrücke von allen menschlichen Gruppen weltweit erkannt werden. 

Jede Grundemotion ist mit einem bestimmten Gesichtsausdruck verbunden (Freude mit einem Lächeln, Überraschung mit hochgezogenen Augenbrauen, Angst mit weit aufgerissenen Augen usw.) und wird in der Regel durch bestimmte Ereignisse oder Reize ausgelöst. Ekman fand später Belege für eine siebte Grundemotion, nämlich Verachtung, die sich ebenfalls durch einen einzigartigen Gesichtsausdruck äußerte.

Ekmans Grundemotionen gelten als angeboren und evolutionär adaptiv. So hilft uns beispielsweise Angst dabei, auf Bedrohungen zu reagieren (mit einem charakteristischen „Angstgesicht“ aus weit aufgerissenen Augen und offenem Mund, das möglicherweise die Sinneswahrnehmung verstärkt), während Ekel (mit gerunzelter Nase) dabei hilft, schädliche Substanzen auszuscheiden oder zu vermeiden.

Wut bereitet uns darauf vor, Hindernissen zu begegnen, und Traurigkeit kann soziale Unterstützung hervorrufen. Ekman wies vor allem darauf hin, dass diese Grundemotionen zwar angeboren sind, kulturelle „Ausdrucksregeln“ jedoch beeinflussen, wie und wann Menschen sie nach außen hin zeigen. In manchen Kulturen unterdrücken Menschen beispielsweise ihre Wut in der Öffentlichkeit oder vermeiden es, Fremden gegenüber Traurigkeit zu zeigen. 

Dennoch sind die diesen Emotionen zugrunde liegenden Gesichtsausdrücke universell, auch wenn wir lernen, unsere Mimik zu kontrollieren. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Ekmans Theorie von einer kleinen Anzahl grundlegender Emotionskategorien ausgeht, die jeweils eindeutige Ausdrucksformen aufweisen und weltweit erkannt werden, wodurch sie eine biologische Grundlage für menschliche Emotionen bilden.

Schlüsselindikatoren für Ekmans sechs Grundemotionen

Dieses Markdown-Format gibt einen Überblick über Ekmans sechs Grundemotionen und einige wichtige Gesichtsmerkmale oder Ausdrucksformen, die mit jeder dieser Emotionen verbunden sind. Diese Merkmale werden häufig anhand des Facial Action Coding System (FACS) beschrieben, wobei die nachstehende Tabelle der Übersichtlichkeit halber vereinfacht dargestellt ist.

EmotionGesichtsausdrücke (Schlüsselindikatoren)
Wut– Die Augenbrauen sind gesenkt und zusammengezogen (Musculus corrugator supercilii)
– Anspannung oder Zusammenziehen der unteren Augenlider
– Die Lippen sind fest aufeinandergepresst oder leicht geöffnet und bilden eine eckige Form
– Die Nasenflügel können sich weiten, der Kiefer kann angespannt sein
Ekel– Die Nase wird gerunzelt oder der obere Nasenbereich wird
„gefaltet“ – Die Oberlippe ist angehoben, manchmal sind die oberen
Zähne zu sehen – Die
Unterlippe kann leicht hervorstehen – Die Wangen sind angehoben und um die Augen herum ist ein leichtes Zusammenkneifen der Augen zu sehen
Angst– Hochgezogene und zusammengezogene Augenbrauen, wodurch sich in der Mitte der Stirn Falten
bilden – Hochgezogene Oberlider, weit aufgerissene Augen (wodurch mehr der Augenweiß sichtbar wird)
– Leicht geöffnete Lippen oder nach hinten gezogene Mundwinkel in einer
Grimasse – Angespannte Unterlider (was manchmal zu einer leichten „Angstgrimasse“ führt)
Glück (Freude)– Die Mundwinkel sind beim Lächeln nach oben gezogen – Die Wangen sind
angespannt, was zu leichten Falten
(„Krähenfüße“) um die äußeren Augenwinkel führt – Die unteren Augenlider können entspannt
sein – Ein echtes (Duchenne-)Lächeln beansprucht sowohl den Musculus zygomaticus major als auch den Musculus orbicularis oculi
Traurigkeit– Die inneren Augenwinkel sind angehoben (Frontalis, innerer Teil)
– Die Augenlider können hängend oder leicht geschlossen wirken
– Die Mundwinkel
sind nach unten gezogen – Die Nasolabialfalten sind oft ausgeprägter, und das Gesicht kann „lang“ oder schwer wirken
Überraschung– Hochgezogene Augenbrauen, die horizontale
Stirnfalten bilden – Weit aufgerissene Augen (oberes Augenlid angehoben, unteres Augenlid entspannt)
– Leicht geöffneter Mund (Mund weit aufgerissen)
– Der Ausdruck ist in der Regel nur kurz, bevor er in eine andere Emotion übergeht

Hinweis:

  • Die genauen Muskelbewegungen können je nach Person und Situation variieren, doch diese Merkmale werden üblicherweise mit den einzelnen Grundemotionen in Verbindung gebracht.
  • Ein Duchenne-Lächeln (das mit echtem Glück verbunden ist) beansprucht sowohl den Mund (Musculus zygomaticus major) als auch die Augen (Musculus orbicularis oculi), während ein Nicht-Duchenne-Lächeln (manchmal auch als „höfliches Lächeln“ bezeichnet) möglicherweise nur den Mund beansprucht.
  • Später fügte Ekman seiner Liste der Grundemotionen noch „Verachtung“ hinzu; in vielen klassischen Werken stehen jedoch nach wie vor diese sechs Emotionen im Mittelpunkt.

Plutchiks Emotionsrad (psychoevolutionäres Modell)

Ein weiteres bekanntes Modell wurde vom Psychologen Robert Plutchik vorgeschlagen, der acht Grundemotionen identifizierte, die als Gegensätze auf einem Farbrad angeordnet sind. Plutchiks Kernemotionen sind Freude, Vertrauen, Angst, Überraschung, Traurigkeit, Ekel, Wut und Vorfreude – im Wesentlichen eine Reihe von acht Grundgefühlen, die sich zu komplexeren Emotionen verbinden. Jede Emotion hat ein Gegenteil (Freude vs. Traurigkeit, Vertrauen vs. Ekel, Angst vs. Wut und Überraschung vs. Vorfreude), und Plutchik stellte sie in einem kreisförmigen Diagramm dar, das oft als „Rad der Emotionen“ bezeichnet wird. Das Radformat veranschaulicht, wie sich Emotionen vermischen und in ihrer Intensität variieren können.

Robert Plutchiks Farbrad. Emotionsindikator.

Plutchiks Modell ist psychoevolutionär, das heißt, es verbindet jede Emotion aus evolutionärer Sicht mit einem adaptiven Verhalten. So entspricht beispielsweise Angst dem Drang zur Flucht, Wut dem Drang zum Kampf, Vertrauen/Akzeptanz dem Drang zur Zugehörigkeit und Ekel dem Drang zur Ablehnung (etwas ausspucken).

Das Rad der Emotionen kategorisiert nicht nur acht Grundgefühle, sondern zeigt auch, wie diese miteinander interagieren. Emotionen, die auf dem Rad nebeneinander liegen, können zu neuen Gefühlen verschmelzen (Plutchik bezeichnete diese Kombinationen als Dyaden). Zum Beispiel: Freude + Vertrauen = Liebe (eine primäre Dyade) und Traurigkeit + Ekel = Reue. Emotionen, die sich direkt gegenüberliegen, sind Gegensätze, die sich nicht vermischen (z. B. ist Wut das Gegenteil von Angst, daher gibt es auf dem Rad keine Mischung aus Wut und Angst).

Plutchik legte zudem Wert auf die Intensität: Jede Grundemotion kann sich in unterschiedlicher Stärke äußern. Eine milde Form von Wut könnte Ärger sein, während eine extreme Form Wutausbruch ist. Ebenso stellen Gelassenheit → Freude → Ekstase steigende Stufen des Glücks dar. Durch die Berücksichtigung von Kombinationen und Intensitäten erweitert Plutchiks Modell die Anzahl unterscheidbarer Emotionen weit über acht hinaus – tatsächlich beschrieb er 24 „Dyaden“ (Kombinationen aus zwei Emotionen) und noch größere Kombinationen, was das reichhaltige Spektrum menschlicher Gefühle veranschaulicht.

Plutchiks Rad bietet eine anschauliche Möglichkeit, Emotionen zu veranschaulichen: ein Farbrad der Gefühle, auf dem die Grundemotionen die Primärfarben darstellen. Es verdeutlicht, dass wir zwar über eine Reihe von Kernemotionen verfügen, unser tatsächliches Gefühlsleben jedoch komplex und nuanciert ist – so wie sich Farben vermischen, um neue Farbtöne zu erzeugen, vermischen sich auch unsere Grundemotionen und bilden die unzähligen Emotionen, die wir erleben.

Dimensionale Modelle von Emotionen (Zirkumplex-Modell)

Nicht alle Psychologen ordnen Emotionen in einzelne Kategorien ein; ein anderer Ansatz besteht darin, Emotionen entlang kontinuierlicher Dimensionen zu beschreiben. Dimensionsmodelle gehen davon aus, dass das, was wir als bestimmte „Emotionen“ bezeichnen, Punkte in einem umfassenderen emotionalen Raum sind. 

Ein bekanntes Beispiel ist Russells „Circumplex-Modell der Affekte“, das Emotionen in einem zweidimensionalen Kreis darstellt, der durch folgende Faktoren definiert wird: (1) Valenz – wie positiv oder negativ die Emotion ist, und (2) Erregung – der Grad der physiologischen Aktivierung oder Intensität (hoch vs. niedrig). Aus dieser Perspektive betrachtet sind Emotionen keine völlig voneinander getrennten Inseln, sondern Verläufe auf einer Karte. 

Beispielsweise haben sowohl „glücklich“ als auch „zufrieden“ eine positive Valenz, doch „glücklich“ ist mit einer höheren Erregung verbunden (energetischer), während „zufrieden“ eine geringere Erregung aufweist (ruhiger). Angst und Wut haben beide eine negative Valenz und eine hohe Erregung (eine verängstigte Person und eine wütende Person sind beide stark aktiviert, wenn auch auf unterschiedliche Weise), während Traurigkeit eine negative Valenz, aber oft eine geringe Erregung aufweist (niedergeschlagen, energielos). Emotionen wie Aufregung (hohe Erregung, positiv) oder Langeweile (geringe Erregung, negativ) finden ihren Platz in anderen Quadranten dieses zweiachsigen Raums.

Aus dimensionaler Sicht gibt es keine festgelegte Anzahl von „Grundemotionen“ – stattdessen gibt es ein Kontinuum emotionaler Zustände. So könnte beispielsweise „Angst“ ein Zustand mit mäßiger Erregung und mäßigem Unbehagen sein, der auf halbem Weg zwischen Ruhe und Furcht liegt. „Entzücken“ könnte sehr angenehm und mit relativ starker Erregung verbunden sein, ähnlich wie Freude, aber mit einem Hauch von Überraschung. Da Dimensionen kontinuierlich sind, lässt sich theoretisch eine unendliche Vielfalt an emotionalen Nuancen abbilden. 

Allerdings räumen Vertreter der Dimensions-Theorie ein, dass unsere Sprache diskrete Bezeichnungen verwendet und bestimmte Bereiche der Karte den bekannten Grundemotionen entsprechen (z. B. könnte ein Cluster im Bereich „hohe Erregung – negativ“ Wut/Angst entsprechen usw.).

Emotionskreis

Einige Modelle fügen eine dritte Dimension hinzu, beispielsweise Dominanz/Kontrolle (wie im PAD-Modell: Pleasure, Arousal, Dominance), die das Gefühl von Kontrolle im Gegensatz zu Unterwürfigkeit berücksichtigt, das man während der Emotion empfindet. So sind beispielsweise Wut und Angst beides negative Emotionen mit hoher Erregung, doch weist Wut eine höhere Dominanz auf (Gefühl, die Kontrolle zu haben, oder Aggressivität), während Angst eine geringe Dominanz aufweist (Gefühl, von den Umständen kontrolliert zu werden).

Insgesamt verdeutlichen dimensionale Modelle, dass Emotionen miteinander verknüpft sind und auf einem Kontinuum liegen, anstatt völlig voneinander getrennte Inseln zu bilden. Sie eignen sich besonders gut, um Abstufungen und Mischformen von Gefühlen darzustellen (zum Beispiel Zwischenzustände wie bittersüße oder ängstliche Aufregung).

Dies ergänzt die kategorialen Ansätze von Ekman und Plutchik, indem es eine andere Perspektive bietet: Anstatt zu fragen „Um welche Grundemotion handelt es sich hier?“, fragt der dimensionale Ansatz: „Wo im Raum zwischen Valenz und Erregung befindet sich diese Emotion?“. Beide Perspektiven helfen uns, das facettenreiche Spektrum menschlicher Emotionen zu verstehen.

Universelle Emotionen und kulturelle Unterschiede

Zwar definieren verschiedene Modelle Emotionen auf unterschiedliche Weise, doch erkennen sie alle eine Reihe von Kernemotionen an, die universell zu sein scheinen. Die Forschung stützt nachdrücklich die Vorstellung, dass bestimmte Emotionen (und deren Ausdrucksformen) allen Menschen gemeinsam sind. Wie oben erwähnt, weisen Ekmans sechs (oder sieben) Grundemotionen eindeutige Gesichtsausdrücke auf, die kulturübergreifend erkannt werden. Selbst Menschen aus isolierten Gesellschaften, die keinen Kontakt zu westlichen Medien hatten, konnten Ausdrucksformen von Freude, Wut, Angst usw. erkennen und in entsprechenden Situationen ähnliche Gesichtsausdrücke zeigen. 

Dies deutet auf eine biologische Grundlage hin: Diese grundlegenden Emotionen wurden durch die Evolution geprägt und treten daher in jeder menschlichen Population auf. Tatsächlich bezeichnen Psychologen sie oft als „universelle Emotionen“. Man geht davon aus, dass jede dieser universellen Emotionen charakteristische physiologische Merkmale und Ausdrucksformen aufweist, die adaptiven Funktionen dienen (beispielsweise erhöht der weit aufgerissene Blick bei Angst die Wachsamkeit, während die Grimasse bei Ekel das Einatmen unangenehmer Substanzen verringert).

Die Aussage, dass Emotionen universell sind, bedeutet jedoch nicht, dass sie von jedem Menschen auf genau dieselbe Weise erlebt oder gezeigt werden. Beim Ausdruck von Emotionen gibt es erhebliche kulturelle und individuelle Unterschiede. Alle Menschen empfinden Wut, Freude, Traurigkeit und so weiter, doch wie wir diese Gefühle ausdrücken oder regulieren, kann sehr unterschiedlich sein. Der bereits erwähnte Paul Ekman führte auch das Konzept der kulturellen Ausdrucksregeln ein – also sozial erlernte Regeln für den Umgang mit Emotionen. Verschiedene Kulturen haben Normen darüber, welche Emotionen offen gezeigt werden dürfen, gegenüber wem und in welchem Kontext. 

In Japan ist es beispielsweise üblich, negative Gefühle in der Öffentlichkeit zu verbergen, um die Harmonie in der Gruppe zu wahren, während in einigen mediterranen oder lateinamerikanischen Kulturen der offene Ausdruck sowohl von Freude als auch von Wut eher akzeptiert wird. Die Intensität und der äußere Ausdruck von Emotionen können von Person zu Person und von Kultur zu Kultur variieren. Eine Kultur mag Stoizismus fördern (das Herunterspielen von Schmerz- oder Traurigkeitsäußerungen), während eine andere emotionale Ausdruckskraft als Zeichen von Aufrichtigkeit fördert. Diese Unterschiede sind oberflächliche Unterschiede im Ausdruck, nicht in der zugrunde liegenden Fähigkeit, die Emotion zu empfinden – die emotionale Kernfähigkeit ist universell menschlich, aber ihre Darstellung wird durch den sozialen Kontext geprägt.

Neben der Kultur beeinflussen auch andere Faktoren wie Geschlechterrollen und das individuelle Temperament den Ausdruck von Emotionen. So sind Männer in manchen Gesellschaften aufgrund von Geschlechternormen möglicherweise darauf konditioniert, Tränen (Traurigkeit) zu unterdrücken, während Frauen für den Ausdruck von Wut mit Stigmatisierung rechnen müssen. Trotz dieser Unterschiede zeigen Studien, dass die Bewegungen der Gesichtsmuskeln bei grundlegenden Emotionen, wenn sie aufrichtig empfunden werden, über alle Gruppen hinweg sehr ähnlich sind – was darauf hindeutet, dass wir auf biologischer Ebene alle dieselbe „emotionale Sprache“ durch Gesichtsausdrücke sprechen, auch wenn wir diese Ausdrücke manchmal verbergen oder abwandeln. Kurz gesagt: Kernemotionen sind in Bezug auf Gesichts- und physiologische Muster klar definiert und universell erkennbar, doch gibt es eine unendliche Vielfalt darin, wie Menschen diese Emotionen im Alltag interpretieren, bewerten und ausdrücken.

Wie sich Emotionen äußern: Körper, Geist und Verhalten

Emotionen sind nicht nur ein Gefühl, sondern eine Erfahrung, die den ganzen Körper einbezieht. Psychologen unterscheiden üblicherweise drei Komponenten von Emotionen:

  1. Physiologische Reaktionen: Emotionen lösen unmittelbare Veränderungen in der Körperphysiologie aus (Aktivität des autonomen Nervensystems, Hormone usw.). So können beispielsweise Herzfrequenz und Blutdruck bei Wut oder Angst ansteigen, angetrieben durch Adrenalin und die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion. Angst kann zu einem Kribbeln im Bauch, Herzklopfen und Schweißausbrüchen führen und Energie für die Flucht mobilisieren. Wut führt oft zu Muskelverspannungen, einem geröteten Gesicht und einem Blutandrang in die Hände (als Vorbereitung auf den Kampf). Traurigkeit kann den gegenteiligen Effekt auf die Erregung haben, mit Energielosigkeit oder Tränen. Freude oder Glück können eine Ausschüttung von Dopamin und Endorphinen bewirken, was zu einem warmen, entspannten Gefühl oder zu energetischer Begeisterung führt. Selbst subtile Emotionen haben körperliche Entsprechungen – Angst kann Nervosität verursachen, Ekel kann Übelkeit oder einen Würgereflex auslösen usw.
  2. Subjektives psychologisches Erleben: Dies ist der „gefühlsmäßige“ Aspekt einer Emotion – wie sie im Geist erlebt wird. Jede Grundemotion hat einen erkennbaren subjektiven Charakter: Wut fühlt sich „heiß“ und angespannt an, Angst fühlt sich bedrohlich an, Traurigkeit fühlt sich schwer und kräftezehrend an, Freude fühlt sich leicht oder euphorisch an. Diese Gefühle werden durch die Bewertung (unsere Interpretation der Situation) geprägt. Beispielsweise könnten zwei Menschen einen Überraschungstest sehen und unterschiedlich darauf reagieren – der eine fühlt sich ängstlich (es ist eine Bedrohung), der andere aufgeregt (es ist eine Herausforderung). Komplexe Emotionen wie Stolz oder Schuldgefühle beinhalten zudem kognitive Bewertungen auf höherer Ebene (z. B. persönliche Maßstäbe oder den sozialen Kontext). Letztendlich ist die subjektive Komponente das, was wir als „Ich bin wütend“ oder „Ich bin glücklich“ bezeichnen.
  3. Verhaltensäußerungen (und Handlungstendenzen): Emotionen äußern sich nach außen durch expressives Verhalten (Mimik, Stimmveränderungen, Gestik, Körperhaltung) und Handlungstendenzen (Handlungsdrang). Angst kann einen Fluchtimpuls auslösen, Wut motiviert zur Konfrontation, Traurigkeit kann zu Rückzug oder der Suche nach Trost führen, und Freude kann zur Annäherung und zum Aufbau sozialer Bindungen anregen. Diese Verhaltensänderungen haben oft evolutionäre Wurzeln (Angst erhöht die Überlebenschancen, indem sie zur Flucht drängt; Wut schützt Ressourcen, indem sie Bedrohungen konfrontiert). Emotionale Ausdrucksformen erfüllen zudem eine Funktion der sozialen Kommunikation – ein Angstschrei warnt andere vor Gefahr; ein Lächeln lädt zum sozialen Kontakt ein.

Diese drei Aspekte – Physiologie, Psychologie und Verhalten – wirken bei jedem emotionalen Erlebnis als integrierte Reaktion zusammen. Nehmen wir Angst als Beispiel: Wenn Sie einem knurrenden Hund begegnen, verspüren Sie möglicherweise eine intensive Welle der Angst (subjektives Gefühl der Gefahr), Ihr Körper erstarrt möglicherweise und Ihre Herzfrequenz schießt in die Höhe (physiologische Erregung), und Sie weichen möglicherweise zurück (Verhaltensreaktion). All dies kann innerhalb von Sekunden geschehen, ohne dass Sie sich bewusst darum bemühen. Emotionen sind im Wesentlichen koordinierte Reaktionspakete, die uns helfen, mit der aktuellen Situation umzugehen.

Es ist außerdem erwähnenswert, dass Emotionen in der Regel kurze Episoden (Sekunden oder Minuten) sind und keine lang anhaltenden Stimmungen. Wenn ein Gefühl sehr lange anhält, lässt es sich eher als Stimmung oder Störung bezeichnen. Doch in diesen emotionalen Momenten können ihre Auswirkungen auf Körper, Geist und Verhalten sehr stark sein.

Fazit

Emotionen sind ein komplexer, facettenreicher Aspekt des Menschseins. Psychologen haben verschiedene Ansätze vorgeschlagen, um sie zu kategorisieren und zu erklären – von einer kleinen Gruppe grundlegender Emotionen, die wir alle teilen, bis hin zu ausgefeilten Rädern und dimensionalen Karten, die die Nuancen des Gefühlslebens erfassen. Wie viele Emotionen gibt es? Die Antwort hängt davon ab, wie wir den Begriff „Emotion“ definieren. 

Wenn wir uns auf universelle Kategorien konzentrieren, gibt es nur eine Handvoll davon (von Ekmans sechs oder sieben bis hin zu Plutchiks acht). Berücksichtigt man jedoch all die feinen Nuancen und Mischformen, könnten es Dutzende und Aberdutzende sein. Was all diesen Modellen gemeinsam ist: Bestimmte Grundemotionen sind allen Menschen eigen und lassen sich weltweit anhand ähnlicher Gesichtsausdrücke und physiologischer Muster erkennen.

Ungeachtet kultureller, sprachlicher oder persönlicher Unterschiede sind ein glückliches Lächeln oder ein Schmerzensschrei allgemein verständliche Signale – ein Beweis für unser gemeinsames emotionales Erbe. Gleichzeitig ist das Gefühlsleben jedes Einzelnen einzigartig. Kultur, Erziehung und Kontext prägen, wie wir fühlen und unsere Emotionen ausdrücken, was zu einer Vielfalt im emotionalen Ausdruck führt. 

Das Verständnis von Modellen wie dem von Ekman, dem von Plutchik oder dem Zirkumplex-Modell kann uns helfen, unsere Gefühle einzuordnen – indem wir beispielsweise erkennen, dass Wut und Angst unterschiedliche Ausprägungen eines Zustands hoher Erregung sein können oder dass das, was wir „Liebe“ nennen, eine Mischung aus einfacheren Freuden und Vertrauen sein könnte.

In der Praxis kann uns das Wissen, dass Emotionen mit miteinander verflochtenen körperlichen, geistigen und verhaltensbezogenen Reaktionen einhergehen, auch stärken. Wir können Körpersignale als Hinweise darauf nutzen, was wir gerade empfinden, oder versuchen, unser Verhalten zu ändern, um unsere Emotionen zu beeinflussen (zum Beispiel durch tiefes Atmen, um Ängste zu beruhigen).

 Emotionen sind oft flüchtig, doch ihre Wirkung ist tiefgreifend: Sie prägen unsere Erinnerungen, beeinflussen unsere Entscheidungen und verbinden uns mit anderen. Indem wir sowohl den universellen Kern der Emotionen als auch die Art und Weise würdigen, wie sie sich bei jedem von uns unterschiedlich äußern, gewinnen wir ein tieferes Verständnis für uns selbst und andere. Emotionen sind zugleich universell und persönlich – in ihren biologischen Grundlagen universell menschlich, doch in der Art und Weise, wie sie im Alltag entstehen und sich entfalten, individuell geprägt.


Literaturverzeichnis

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