Die 5 wichtigsten Studien zum Neuromarketing

In den letzten zehn Jahren hat sich der Einsatz neurowissenschaftlicher Methoden in der Marktforschung von einem „nützlichen“ Zusatz zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder Verbraucherforschung entwickelt. Wie wir bereits in diesem Blog ausführlich dargelegt haben, kommen neurowissenschaftliche Methoden täglich in einer Vielzahl von Anwendungsbereichen zum Einsatz: Videowerbung, Fahrerlebnisse und Erlebnisse im Fahrzeug, sensorische Bewertungen, Einkaufserlebnisse und vieles mehr.

All diesen Anwendungsfällen ist jedoch gemeinsam, dass sie alle dasselbe Ziel verfolgen: ein besseres Verständnis dafür zu erlangen, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun.

Die heutigen Fragestellungen – wie beispielsweise die Anwendung fundierter neurowissenschaftlicher Methoden zur Untersuchung der Reaktionen von Menschen auf eine Virtual-Reality-Umgebung – sind jedoch nicht einfach aus dem Nichts in der Forschungswelt aufgetaucht. Vielmehr bauen sie auf jahrzehntelanger Forschung in Wissenschaft und Industrie auf, die die Rahmenbedingungen dafür geschaffen hat, was bei Verbrauchern derzeit valide gemessen werden kann (und was nicht!).

Heute wollen wir uns einmal von den spannenden Verbraucherforschungsprojekten des Jahres 2019 lösen und einen Blick auf einige der wegweisenden Forschungsarbeiten werfen, die dazu beigetragen haben, die Neuromarketing-Branche dahin zu bringen, wo sie heute steht. Wie kann die Neurowissenschaft vorhersagen, welche Konsumgüter im Niedrigpreissegment Menschen kaufen werden? Setzen die Werbekunden beim Super Bowl ihre Werbegelder so effizient wie möglich ein? Kann die Neurowissenschaft Forschern dabei helfen, sozialen Wandel zu bewirken, beispielsweise durch die Förderung der Raucherentwöhnung und die Schaffung starker weiblicher Superheldinnen als Vorbilder? Lesen Sie weiter!

Inhalt:

Neuromarketing und Eye-Tracking auf einer Webseite zum Parfümkauf

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Was ist Neuromarketing?

Neuromarketing ist ein innovatives Fachgebiet, das Neurowissenschaften und Marketing miteinander verbindet, um das Verbraucherverhalten zu verstehen und zu beeinflussen. Indem sie untersuchen, wie das Gehirn auf Marketingreize reagiert, wollen Unternehmen Produkte, Werbung und Marketingkampagnen entwickeln, die effektiver sind und die Verbraucher stärker ansprechen.

Im Zentrum des Neuromarketings steht die Überzeugung, dass die Entscheidungsfindung von Verbrauchern weitgehend unbewusst erfolgt. Herkömmliche Marketingmethoden stützen sich auf selbst gemeldete Daten, wie Umfragen und Fokusgruppen, die aufgrund von Verzerrungen und den Grenzen der Selbsterkenntnis unzuverlässig sein können. Das Neuromarketing umgeht diese Probleme, indem es die Reaktionen des Gehirns direkt beobachtet.

Zu den im Neuromarketing eingesetzten Techniken gehören die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und die Elektroenzephalographie (EEG). Die fMRT erfasst die Durchblutung des Gehirns, um Bereiche zu identifizieren, die als Reaktion auf bestimmte Reize aktiv werden, während das EEG elektrische Muster aufzeichnet, um emotionale Reaktionen zu verstehen. Auch Eye-Tracking und die Messung von Veränderungen der Hautleitfähigkeit werden genutzt, um Interesse und Erregung zu messen.

Durch die Analyse dieser Daten können Marketingfachleute nachvollziehen, was Aufmerksamkeit erregt, Emotionen weckt und Kaufentscheidungen beeinflusst. So kann Neuromarketing beispielsweise aufzeigen, wie sich verschiedene Farben, Wörter oder die Produktplatzierung auf die unbewusste Wahrnehmung und das Kaufverhalten eines Verbrauchers auswirken können.

Das Neuromarketing wirft jedoch auch ethische Bedenken auf. Kritiker argumentieren, dass es zu Manipulation führen könnte, indem unbewusste Auslöser ausgenutzt werden, um das Verbraucherverhalten ohne dessen Wissen zu beeinflussen. Daher wird derzeit intensiv über die ethischen Implikationen des Einsatzes neurowissenschaftlicher Erkenntnisse im Marketing diskutiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Neuromarketing eine neue Dimension im Verständnis des Verbraucherverhaltens darstellt und tiefere Einblicke bietet als herkömmliche Marketingmethoden. Obwohl sein Potenzial enorm ist, erfordert seine Anwendung auch eine sorgfältige Abwägung ethischer Grenzen.

Die Ursprünge des Neuromarketings: Die somatische Marker-Hypothese

Unser Überblick über wegweisende Neuromarketing-Studien beginnt nicht mit einer Neuromarketing-Studie, sondern mit einer Reihe wissenschaftlicher Forschungsarbeiten. In früheren Beiträgen unseres Blogs haben wir bereits ausführlich dargelegt, auf wie vielfältige Weise verschiedene neurowissenschaftliche Instrumente – wie die Messung der Hautleitfähigkeit, die Elektroenzephalografie, die Analyse von Gesichtsausdrücken und so weiter – genutzt werden können, um das menschliche Gefühlserleben zu verstehen.

Eine Übersicht über „wichtige Neuromarketing-Studien“ wäre jedoch ohne einen kurzen Exkurs zu einer der wichtigsten wissenschaftlichen Hypothesen, die Gehirn und Verhalten miteinander verknüpft, nicht vollständig: die Somatic-Marker-Hypothese [1].

Antonio Damasio ist ein äußerst einflussreicher Neurologe und Emotionsforscher, dessen Arbeit mit Patienten mit Hirnverletzungen dazu beitrug, die Bedeutung hirnbasierter Prozesse sowohl für die bewussten als auch für die unbewussten Komponenten der Entscheidungsfindung aufzuzeigen. Damasio und seine Kollegen versuchten zu verstehen, warum Patienten mit Schädigungen bestimmter Hirnareale Entscheidungen anders trafen als gesunde Menschen, und veröffentlichten zahlreiche Arbeiten über den Zusammenhang zwischen der elektrodermalen Aktivität und der Entscheidungsfindung.

Auf der Grundlage seiner Arbeiten stellte Damasio die Hypothese der somatischen Marker (SMH) auf, um zu erklären, wie Gehirn und Körper zusammenwirken und den Menschen zu den Entscheidungen führen, die er trifft.

Kurz gesagt geht die SMH davon aus, dass Entscheidungsfindung eigentlich ein Lernprozess ist. Wenn wir eine Entscheidung oder eine Wahl treffen und das Ergebnis erleben, zeigen wir eine unterschwellige (oder sogar ganz offensichtliche!) emotionale Reaktion auf dieses Ergebnis. Diese emotionale Reaktion äußert sich in einer Reihe von körperlichen Reaktionen – vermehrter Schweißausbruch, verminderte Herzfrequenzvariabilität, ein Ausdruck von Emotionen in unserem Gesicht – und Informationen über diese Reaktion werden als „somatischer Marker“ (soma bedeutet „Körper“) im Gehirn gespeichert.

Wenn sich eine Person später in einer ähnlichen Situation wiederfindet oder eine ähnliche Entscheidung treffen muss, werden die entsprechenden somatischen Marker abgerufen und liefern Informationen, die den Entscheidungsprozess leiten.

Die SMH legte den Grundstein für einen Großteil des modernen Neuromarketings, indem sie zeigte, dass wir das Gehirn der Verbraucher nicht mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) abbilden müssen, um zu verstehen, wann etwas bei ihnen eine emotionale Reaktion auslöst. Messgrößen wie die elektrodermale Aktivität spiegeln – obwohl sie an der Körperoberfläche erfasst werden – direkt Prozesse im Gehirn wider, die mit der Entscheidungsfindung zusammenhängen.

Dies bot früheren Neuromarketern eine Möglichkeit, auf nicht-invasive Weise tiefere Einblicke in das Verbraucherverhalten zu gewinnen, und zwar auf skalierbare Weise.

Neuromarketing-Forschung: Laborstudien im Vergleich zu Ergebnissen aus der Praxis

Einer der „heiligen Grale“ des Neuromarketings besteht darin, nachzuweisen, dass neurowissenschaftliche Messungen im Labor in einem sinnvollen Zusammenhang mit den wichtigsten Marktergebnissen eines Unternehmens stehen. Neuromarketer stehen – zu Recht – ständig vor der Aufgabe, zu belegen, dass ihre Messungen in einem signifikanten Zusammenhang mit dem Verbraucherverhalten stehen.

Die besten dieser Validierungsstudien sind diejenigen, bei denen die Teams, die die Daten erheben und analysieren, keine Kenntnis von den tatsächlichen Marktergebnissen haben, wodurch sichergestellt wird, dass die Forschungsergebnisse unvoreingenommen sind.

Ergebnisse der iMotions-Verpackungsstudie

Lesen Sie dazu: 5 Marketing-Mythen, die durch Neuromarketing widerlegt wurden

Ein hervorragendes Beispiel für diese Art der Validierung lieferte 2012 das Unternehmen Innerscope Research (heute Nielsen Consumer Neuroscience). Innerscope wurde von Mimoco, einem Einzelhändler für Unterhaltungselektronik, beauftragt, dessen Produktreihe „Mimobots“ – USB-Sticks in Designerausführung – zu testen. Diese USB-Sticks waren so gestaltet, dass sie wie stilisierte Figuren aussahen, darunter sowohl bereits bekannte (z. B. Hello Kitty) als auch völlig neue Designs.

Mimoco verfügte über Online-Verkaufsdaten für Hunderte seiner Designer-USB-Sticks und stellte Innerscope eine Auswahl von etwa 30 seiner Designs mit den besten und schlechtesten Verkaufszahlen zur Verfügung, um diese im Labor zu testen. Innerscope wusste nicht, welche Designs sich gut und welche sich schlecht verkauft hatten.

Die Entwürfe wurden im Labor mithilfe einer statischen, bildschirmbasierten Methode getestet, während EDA-, Herzfrequenz- und Eye-Tracking-Daten von den Probanden erfasst wurden, die die Entwürfe passiv betrachteten.

Anschließend erstellte Innerscope anhand der Daten aus der Kombination der Biosensoren eine Rangliste der USB-Sticks von Platz 1 bis Platz 30. Als Mimoco die Rangliste von Innerscope mit den eigenen Verkaufsdaten abglich, wurden anhand der neurowissenschaftlichen Daten vier der fünf meistverkauften Modelle korrekt identifiziert, ebenso wie eine Reihe der Modelle mit den geringsten Verkaufszahlen.

Insgesamt konnten die Laborergebnisse 50 % der Schwankungen bei den Marktverkäufen erklären. Obwohl es bereits vor dieser Studie mehrere Untersuchungen gab, die Zusammenhänge zwischen Neuromarketing-Techniken und dem Marktverhalten belegten, war dies eine der bedeutendsten Einzelblindstudien, die zeigte, dass neurowissenschaftliche Instrumente zur zuverlässigen Vorhersage der Verkaufszahlen eines weit verbreiteten Unterhaltungselektronikprodukts eingesetzt werden können (und gleichzeitig den Wert einer auf Biosensoren basierenden Forschung unterstrich).

3 beliebte Neuromarketing-Studien

1. Fallstudie: Vertrieb von Konsumgütern des täglichen Bedarfs (FMCG)

Auch wenn die Mimoco-Studie eher wegen ihres Aufbaus und ihrer Ergebnisse als wegen ihrer Auswirkungen auf den Markt in Erinnerung geblieben ist, sorgte die nächste Fallstudie auf unserer Liste im Jahr 2016 für weitaus größeres Aufsehen. In einer sich ständig wandelnden Medienlandschaft suchte CBS nach einem tieferen Verständnis dafür, was effektive Fernsehwerbung ausmacht.

Wie David Poltrack, ehemaliger Forschungsleiter bei CBS, sagte: „Da der Verbraucher heutzutage ständig immer mehr Medienbotschaften ausgesetzt ist, wird es für Werbetreibende immer schwieriger, kreative Konzepte zu entwickeln, die sich von der Masse abheben und bei der Zielgruppe Anklang finden.“

Zu diesem Zweck ging CBS eine Partnerschaft mit Nielsen Consumer Neuroscience und Nielsen Catalina Solutions ein, um das Konzept der „neurowissenschaftlichen Validierung“ auf den breiten Bereich der Konsumgüter des täglichen Bedarfs auszuweiten. Nielsen Consumer Neuroscience testete 60 Werbeanzeigen aus verschiedenen FMCG-Kategorien (darunter Lebensmittel, Haushaltswaren, Schönheitsprodukte usw.). Diese Anzeigen wurden in den Labors von Nielsen in den gesamten USA unter Verwendung einer Kombination aus EEG, EDA und Gesichtsausdrucksanalyse getestet.

Nielsen Catalina Solutions stellte daraufhin Daten für jede dieser Anzeigen bereit, wobei eine Kombination aus Set-Top-Box-Daten und Kaufdaten aus dem Einzelhandel herangezogen wurde, um den Umsatzanstieg bei Haushalten zu ermitteln, die den Anzeigen ausgesetzt waren, im Vergleich zu denen, die dies nicht waren. Anschließend untersuchten die Forscher, inwieweit die im Labor durchgeführten neurowissenschaftlichen Messungen vorhersagen konnten, welche Anzeigen im Markt einen höheren Umsatzanstieg erzielten und welche Anzeigen keine Wirkung zeigten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die neurowissenschaftlichen Messgrößen nicht nur in der Lage waren, die Umsatzdaten für diese große Anzahl von Anzeigen signifikant vorherzusagen, sondern dass – einmal mehr – ein multimodaler Ansatz, der alle drei Messgrößen (EEG, EDA und FEA) einbezog, der beste Prädiktor für den Umsatzanstieg war.

Zu einer Zeit, als die Fernsehsender nach neuen und besseren Wegen suchten, eine emotionale Bindung zu ihren Zuschauern aufzubauen, sorgte diese groß angelegte Validierungspartnerschaft in der Welt der Werbeforschung für großes Aufsehen.

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2. Fallstudie: Vorhersage des Verhaltens bei der Raucherentwöhnung

Eine der am häufigsten zitierten Studien im Bereich des Neuromarketings war eigentlich gar keine Neuromarketing-Studie; vielmehr handelte es sich um eine Studie, die aufzeigte, wie die Neurowissenschaften genutzt werden können, um wirksamere Werbespots für öffentliche Dienste zu entwickeln.

Emily Falk, Neurowissenschaftlerin an der University of Pennsylvania, wollte herausfinden, inwieweit die Aktivität im Gehirn – insbesondere im ventromedialen präfrontalen Kortex (vmPFC), der maßgeblich an Entscheidungsprozessen beteiligt ist – das Anrufaufkommen als Reaktion auf die Anti-Raucher-Kampagnen des US-amerikanischen National Cancer Institute vorhersagen würde [2].

Rauchverbot-Schild in der U-Bahn

Falk und ihre Kollegen untersuchten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie drei Fernsehwerbekampagnen, die für die Hotline „1-800-QUIT-NOW“ des USNCI warben, und untersuchten dabei insbesondere, inwieweit die einzelnen Werbespots eine Aktivität im vmPFC auslösten. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse der Neurobildgebung sowohl mit den selbstberichteten Bewertungen der „Wirksamkeit“ der Werbespots als auch mit dem durch die einzelnen Werbespots generierten Anrufaufkommen.

Zwar gab es keinen Zusammenhang zwischen der selbst eingeschätzten Wirksamkeit der Werbespots und der Anzahl der Anrufe, doch stand die Aktivität im vmPFC in direktem Zusammenhang mit der Anzahl der Anrufe, die bei der Hotline „1-800-QUIT-NOW“ eingingen.

Obwohl fMRT-Untersuchungen in der Neuromarketing-Branche aufgrund der Kosten, der logistischen Herausforderungen und der als invasiv empfundenen Methode nur selten durchgeführt werden, hat die Studie dennoch großen Einfluss auf Agenturen gehabt, die darauf abzielen, das menschliche Verhalten positiv zu beeinflussen. Der Ad Council beispielsweise nutzt häufig neurowissenschaftliche Tests, um die Gestaltung seiner Werbespots für gemeinnützige Zwecke zu optimieren – von Anzeigen zur Adoption von Haustieren bis hin zu Kampagnen, die Väter dazu motivieren sollen, sich stärker am Leben ihrer Kinder zu beteiligen.

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3. Fallstudie: Die Bedeutung weiblicher Superheldinnen

Im Rahmen der weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema, wie Neurowissenschaften für positive Veränderungen genutzt werden können, hat iMotions kürzlich eine Partnerschaft mit Screen Engine/ASI, BBC America und dem Women’s Media Center geschlossen, um zu untersuchen, wie männliche und weibliche Teenager verschiedene Darstellungen weiblicher Superhelden wahrnehmen.

In der neuesten Folge der äußerst beliebten BBC-Serie „Dr. Who“ wurde die Hauptrolle zum ersten Mal in der jahrzehntelangen Geschichte der Serie von einer Frau gespielt. Neben der Frage, wie die „weibliche Doctor“ beim Publikum ankommen würde, wollten die BBC, SE/ASI und das WMC wissen, wie sich die Darstellung von Superhelden – sowohl männlichen als auch weiblichen – auf Faktoren wie Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen bei jüngeren Zielgruppen auswirkt, die Superhelden als Vorbilder betrachten.

Die Forscher untersuchten verschiedene TV-Trailer zu Serien mit Superhelden wie „The Flash“, „Supergirl“, „Wonder Woman“ und „Luke Cage“. Eine Gruppe von männlichen und weiblichen Jugendlichen im späten Teenageralter sah sich die Trailer an, während die Forscher ihre Hautleitfähigkeit (EDA), ihre Mimik und ihre visuelle Aufmerksamkeit (mithilfe von Eye-Tracking) maßen.

iMotions-Bildschirmansicht

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie war, dass junge Frauen deutlich positiver auf Darstellungen von Superheldinnen reagierten, die sich – nun ja – wie Superheldinnen verhielten. Dass Supergirl beispielsweise ein Flugzeug vor dem Absturz rettete, fand sowohl beim weiblichen als auch beim männlichen Publikum großen Anklang. Umgekehrt führte die Sexualisierung weiblicher Hauptfiguren durchweg dazu, dass weibliche Zuschauerinnen abschalteten.

Der Einsatz neurowissenschaftlicher Methoden in dieser Studie hat wichtige Leitlinien für die wirkungsvollste kreative Darstellung weiblicher Superhelden aufgezeigt. Die Forscher hoffen, dass diese Untersuchung dazu beitragen wird, den Ansatz beim Geschichtenerzählen in Fernsehen und Film zu verändern, und dass die zunehmende Präsenz weiblicher Superhelden auch weiterhin Vorbilder für eine jüngere Generation weiblicher Zuschauerinnen bieten wird.

Grenzen der Neuromarketing-Forschung

Natürlich ist nicht die gesamte Geschichte des Neuromarketings von Verkaufserfolgen, Raucherentwöhnung und der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in den Medien geprägt. Einige der bekanntesten Neuromarketing-Studien sind eher für ihre negative Bekanntheit berüchtigt. Dennoch haben diese Studien einen großen Beitrag zu diesem Forschungsgebiet geleistet, indem sie sowohl den Anwendern als auch den Anbietern von Neuromarketing-Dienstleistungen vor Augen geführt haben, wozu solche Instrumente nicht in der Lage sind.

Eine viel beachtete Studie wurde im Herbst 2011 im Rahmen eines Gastkommentars in der New York Times veröffentlicht. Martin Lindström beschreibt darin eine funktionelle MRT-Studie, die er in Zusammenarbeit mit dem inzwischen aufgelösten Unternehmen MindSign Neuromarketing durchgeführt hatte. Die Probanden der Studie wurden in einen MRT-Scanner gelegt und dem Klingeln von iPhones ausgesetzt; die Forscher stellten dabei eine Aktivierung (unter anderem) des insularen Kortex im Gehirn fest.

Kurz gesagt ist die Insula eine „Alleskönner“-Region des Gehirns, die an einer Vielzahl kognitiver Prozesse beteiligt ist, darunter die Verarbeitung von Emotionen, die sensorische Integration, das Erfahrungsbewusstsein und viele andere [3]. Lindstorm wählte nur eine dieser Funktionen aus – das Erleben von „Liebe und Mitgefühl“ – und kam zu dem Schluss, dass die Befragten für ihr iPhone dieselbe Art von Liebe empfanden wie für ihre Familie oder andere geliebte Menschen.

Beispiel für das iPhone

Eine solche nachträgliche Schlussfolgerung zu ziehen, ist in etwa so, als würde man sagen: „Mein neuer Kollege trägt heute Turnschuhe, also muss er ein Marathonläufer sein“. Klar, das könnte sein! Aber Menschen tragen Turnschuhe auch, weil sie bequem sind, weil sie morgens einen langen Weg zur Arbeit haben, weil ihnen das Aussehen gefällt oder aus einer Vielzahl anderer Gründe.

Dies wird als „umgekehrte Schlussfolgerung“ bezeichnet – also das Erreichen eines Ergebnisses und das nachträgliche Herauspicken einer Erklärung dafür, anstatt zunächst eine echte Hypothese aufzustellen – und Lindstorms Behauptung blieb nicht unbemerkt. Eine Gruppe von mehr als 40 Wissenschaftlern aus dem Bereich der Neurowissenschaften verfasste gemeinsam einen Antwortbrief an die New York Times, in dem sie die mangelnde wissenschaftliche Stichhaltigkeit dieser Behauptung hervorhob.

Im Laufe der Jahre gab es ähnliche, viel beachtete Beispiele dafür, wie Neuromarketing „schiefgehen“ kann. Diese dienen sowohl für Auftraggeber als auch für Anbieter von Marktforschung als wichtige warnende Beispiele: Neuromarketing muss vor allem glaubwürdig sein, um von Nutzen zu sein, und ein informierter Markt lässt schlechte Marktforschung nicht einfach durchgehen. In einer schnell wachsenden Branche ist es entscheidend, diese Studien im Hinterkopf zu behalten, damit alle dazu angehalten werden, die bestmögliche Marktforschung zu betreiben.

Häufig gestellte Fragen

Welche ethischen Fragen wirft die Neuromarketing-Forschung auf?

Die Neuromarketing-Forschung wirft mehrere ethische Bedenken auf. Eines der Hauptprobleme ist das Potenzial zur Manipulation. Durch das Verständnis und die gezielte Beeinflussung der unbewussten Triebkräfte des Verbraucherverhaltens besteht die Gefahr, Kunden ohne deren bewusste Zustimmung zu manipulieren. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Autonomie der Verbraucher und der Ethik der Beeinflussung von Entscheidungsprozessen auf unbewusster Ebene auf.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Datenschutz. Beim Neuromarketing werden sensible Daten über die Vorlieben und die Gehirnaktivität einer Person erfasst, die potenziell missbraucht werden könnten, wenn sie nicht angemessen geschützt werden. Die Vertraulichkeit und die Verwendung dieser Daten stellen eine wichtige ethische Überlegung dar.

Schließlich stellt sich noch die Frage der Fairness. Der Einsatz von Neuromarketing-Techniken könnte zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen, bei denen Unternehmen, die Zugang zu diesen fortschrittlichen Instrumenten haben, einen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber Wettbewerbern und Verbrauchern genießen, was möglicherweise zu Marktverzerrungen führen könnte.

Was sind die Probleme beim Neuromarketing?

Abgesehen von ethischen Bedenken steht das Neuromarketing vor einer Reihe praktischer und wissenschaftlicher Herausforderungen. Die Zuverlässigkeit der Neuromarketing-Methoden ist ein wesentliches Problem. Bildgebungs- und Messverfahren des Gehirns können in ihrer Genauigkeit variieren und liefern möglicherweise nicht immer konsistente Ergebnisse. Die Interpretation neurologischer Daten kann komplex und subjektiv sein, was zu potenziellen Ungenauigkeiten beim Verständnis des Verbraucherverhaltens führen kann.

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Alles zusammenfassen

Die Neuromarketing-Branche hat in den letzten 15 Jahren enorme Fortschritte gemacht. Es wurden mehr bahnbrechende Forschungsarbeiten durchgeführt, als wir hier vorstellen können, und es gab auch einige eklatante Beispiele dafür, „wie man Neuromarketing nicht betreiben sollte“. Wir hoffen, dass dieser Überblick über einige wegweisende Studien interessant für Sie war. Wenn Sie mehr erfahren möchten, sollten Sie unseren Blog im Auge behalten, denn dort werden wir in Zukunft weitere herausragende Fallstudien veröffentlichen!

Beilage zum Taschenführer „Menschliches Verhalten“

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Quellenangaben:

[1] Damasio, A. R. (1996). Die Hypothese der somatischen Marker und die möglichen Funktionen des präfrontalen Kortex. Philos Trans R Soc Lond [Biol] 351:1413–1420.

[2] Falk, E. B., Berkman, E. T., Mann, T., Harrison, B. & Lieberman, M. D. (2010). Vorhersage von durch Überzeugungsarbeit hervorgerufenen Verhaltensänderungen anhand von Hirnaktivitätsmustern. The Journal of Neuroscience, 30, 8421–8424.

[3] Gasquoine PG (2014). Der Beitrag der Insula zu Kognition und Emotion. Neuropsychol Rev 24: 77–87.


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