Multiface-Analyse in der Praxis: Fortgeschrittene Methoden zur Untersuchung von Gesichtsausdrücken in Gruppen

„Multiface Analysis in Action“ untersucht fortgeschrittene Methoden zur Untersuchung von Gesichtsausdrücken in Zweiergruppen, Fokusgruppen und bei Publikumstests, um Gruppenemotionen und Erkenntnisse über reale Interaktionen zu gewinnen.

Der Mensch hat sich so entwickelt, dass er anderen Menschen Gesichtsausdrücke vermittelt. Als wichtiger Bestandteil sowohl der verbalen als auch der nonverbalen Sprache faszinieren Gesichtsausdrücke Forscher seit Jahrhunderten. 

Dank technologischer Fortschritte sind wir von der manuellen Erfassung von Gesichtsausdrücken dazu übergegangen, dass uns Algorithmen des maschinellen Lernens anhand einer einfachen Kamera mitteilen, wann ein bestimmter Gesichtsausdruck zu beobachten ist. Wenn Ihnen das bereits als ganz normale, alltägliche Forschung erscheint, ist es an der Zeit, einen Schritt weiterzugehen und Gesichtsausdrücke in interaktiven Situationen und in Gruppen zu untersuchen – also genau in den Situationen, für deren Darstellung wir uns evolutionär entwickelt haben.

Die Untersuchung vielfältiger Aspekte in realen Forschungsanwendungsbereichen

Forscher aus den Bereichen Kommunikationswissenschaft, Entwicklungspsychologie, Produkttests, Training und Leistungsforschung möchten alle menschliche Interaktionen untersuchen – oder wie wir Erfahrungen in Gruppen wahrnehmen. Hier sind einige gängige Studienformen, bei denen die Gesichter mehrerer Personen gleichzeitig untersucht werden:

Zweierbeziehungen

Bei vielen Forschungsfragen ist es wichtig zu wissen, wie Menschen miteinander interagieren. Wie sprechen wir in einer gespaltenen Welt über Politik, oder wie gelangen wir in einem kooperativen Umfeld zu Lösungen; wie geben und erhalten wir Feedback, und wie spiegeln wir Emotionen in einem Gespräch wider. 

Mehrfachverfolgung

Diese Interaktionen können auch intensive Zweierbeziehungen sein, wie beispielsweise Arzt-Patienten-Beziehungen oder Eltern-Kind-Interaktionen, die es Forschern ermöglichen, detaillierte Fragen dazu zu beantworten, wie sich Beziehungen und Prognosen in unterschiedlichen Kontexten entwickeln.

All diese Fragen setzen voraus, dass wir die Auswirkungen der von einer Person zum Ausdruck gebrachten Emotionen auf eine andere Person untersuchen. Dies macht das Studiendesign zwar komplexer, liefert aber umso differenziertere Erkenntnisse.

So richten Sie die Studie ein:

  • Um die verschiedenen Abschnitte eines Gesprächs voneinander abzugrenzen, sollten klare Diskussionsthemen festgelegt werden. Diese können vom Forscher vorgegeben werden oder sich aus der Sicht der Teilnehmer auf natürliche Weise und frei entwickeln und vom Forscher auf der Grundlage qualitativer Informationen aus den Gesprächen mit Anmerkungen versehen werden.
  • Eine klar formulierte Forschungsfrage ist von großem Nutzen, insbesondere in eher naturgetreuen Umgebungen. Dies kann nicht nur dabei helfen, die Daten sinnvoll zu strukturieren, sondern auch Untergruppen auf der Grundlage demografischer Merkmale, der Gruppenzugehörigkeit oder des Kommunikationsstils zu definieren.
  • Gesichter allein vermitteln nur einen Teil dessen, wie wir kommunizieren. Durch die Kombination verschiedener Biosensoren lassen sich tiefere Einblicke gewinnen. Die Erkennung von Emotionen anhand der Stimmenanalyse oder von Erregungswerten anhand der Hautleitfähigkeit oder Herzfrequenz kann eine weitere Dimension dessen eröffnen, was in zwischenmenschlichen Interaktionen geschieht und wie unser Gesicht, unsere Stimmlage und unsere Körperfunktionen auf eine andere Person reagieren.
  • Um ein übersichtliches Design zu gewährleisten, weisen Sie die Teilnehmer an, sich an die Sprechreihenfolge zu halten. So können die Forscher klar zwischen dem Sprechenden und dem Zuhörenden unterscheiden und diese separat analysieren.
  • Nutzen Sie Live-Markierungen und markieren Sie relevante Punkte während der Live-Datenerfassung, um die Annotation und Segmentierung bei der Analyse zu vereinfachen.

Beispiel für einen Versuchsaufbau

  1. Stellen Sie sich eine Studie vor, in der zwei Teilnehmer mit gegensätzlichen politischen Ansichten über ein aktuelles Thema diskutieren. Wie bereits in der Forschungsfrage deutlich wurde, ist es wichtig, ein klares Diskussionsthema zu haben. Die Aufteilung dieses Themas in einzelne Themenbereiche wird dadurch einfacher. Durch die abwechselnde Wortführung lässt sich jeder Teilnehmer analysieren, wenn bestimmte Vor- und Nachteile als Argumente vorgebracht werden. Die Forscher könnten zudem Manipulationen einbauen, beispielsweise indem sie Belege für die eine oder andere Seite in Form von Nachrichtenausschnitten oder Dokumentationen präsentieren.
  2. Ein weiteres Beispiel wäre das Führungskräftetraining. Hier wäre der Ablauf eher frei gestaltet, wobei Führungskräfte in alltäglichen Situationen gefilmt werden. Dabei könnten die Forscher während der Datenerhebung Live-Markierungen setzen, um Phasen wichtiger Kommunikationsaufgaben zu kennzeichnen, wie beispielsweise gegebenes Feedback und ob dieses positiv oder negativ war, oder qualitative Markierungen auf der Grundlage ihres bereits vorhandenen Wissens über bewährte Führungstaktiken und den Zeitpunkt, zu dem diese in bestimmten Situationen angewendet wurden.

Multifaktorielle Analyse in Fokusgruppen

Bei Produkttests möchten Forscher in der Regel einen Gruppeneffekt untersuchen. Dabei geht es darum, wie wir ein Produkt nutzen und bewerten – nicht nur isoliert betrachtet, sondern unter dem Einfluss der Gedanken und Emotionen anderer Menschen. In diesem Zusammenhang interessieren sich die Forscher für die individuellen und die allgemeinen Eindrücke gegenüber den Produkten. Welches Produkt hat bei der Gruppe insgesamt positivere Erfahrungen hervorgerufen, und bei welchem besteht noch Verbesserungspotenzial?

So richten Sie die Studie ein:

  • Am besten ist es, klar definierte Segmente zu haben und die Interaktionen mithilfe eines geleiteten oder teilgeleiteten Interviews zu strukturieren.
  • Um die Fokusgruppe effizient zu segmentieren, sollten Sie den Test in vordefinierte Abschnitte unterteilen. Bei einem sensorischen Produkt könnte man beispielsweise zunächst die Verpackung, dann den Geruch und die Textur und schließlich den Geschmack des Produkts testen.
  • Da wir nicht nur durch unsere geäußerten Emotionen kommunizieren, sollten Sie auch bei Fokusgruppentests den Einsatz von Sprachanalysen in Betracht ziehen.
  • Ermuntert die Teilnehmer wie in den vorherigen Beispielen dazu, einander nicht ins Wort zu fallen, um eine klarere Analyse zu ermöglichen.
  • Nutzen Sie wie in den vorherigen Beispielen Live-Markierungen und markieren Sie relevante Punkte während der Live-Datenerfassung, um die Annotation und Segmentierung während der Analyse zu vereinfachen.

Beispiel für einen Versuchsaufbau

Anhand desselben oben genannten sensorischen Beispiels könnten die Forscher die Fokusgruppe so gestalten, dass sie die Teilnehmer zunächst auf die Verpackung, dann auf den Geruch und die Textur und schließlich auf den Geschmack des Produkts lenkt. 

Jedes dieser Segmente kann von den Forschern durch Drücken einer dem Segment zugeordneten Tastenkombination markiert werden. Innerhalb jedes Segments ist es wichtig, ein halbstrukturiertes Interview zu führen, das die Teilnehmer dazu anregt, über verschiedene Aspekte des Produkts nachzudenken und zu sprechen.

Mit anderen Worten: Forscher sollten sich nicht darauf beschränken, den Befragten sehr vage, offene Fragen zu stellen, wie etwa „Was halten Sie von dem Produkt?“, oder Fragen, die eine ausführlichere Äußerung erschweren, wie etwa „Gefällt Ihnen das Produkt?“. 

Es wäre besser, Fragen zu den relevanten Merkmalen wie Farbe, Konsistenz, Geschmacksprofil usw. zu stellen. Dies erleichtert die Segmentierung der Fokusgruppensitzung bei der Auswertung und liefert den Forschern klarere Ergebnisse.

Multifaktorielle Analyse bei Zielgruppentests

Oft möchten wir wissen, wie eine größere Gruppe von Menschen eine gemeinsame Erfahrung wie einen Kinobesuch oder einen Museumsbesuch empfindet. In diesem Fall ist die Interaktion vielleicht nicht bewusst, aber es handelt sich dennoch um ein gemeinsames Erlebnis. Forscher möchten wissen, wie die meisten Menschen reagieren und wie Gruppen von Menschen Gefühle erleben, wodurch sich das Erlebnis für alle Anwesenden intensiviert.

So richten Sie die Studie ein:

  • Wenn für die Untersuchung Kenntnisse über die Mimik jedes Einzelnen erforderlich sind, ist es wichtig, dass alle in derselben Position bleiben, beispielsweise auf denselben Plätzen im Wohnzimmer sitzen und einen Film ansehen. 
  • Wenn es für das Studiendesign wichtig ist, ökologische Validität zu gewährleisten, und Personen vor dem Bildschirm oder dem untersuchten Schauplatz kommen und gehen, und die Forscher in einem dynamischeren Umfeld erfassen möchten, was zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht, ist es wichtig, sich stattdessen auf die aggregierten Emotionen aller erkannten Gesichter zu konzentrieren.

Beispiel für einen Versuchsaufbau

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich der Filmtests: Eine Gruppe von Personen sitzt in einer wohnzimmerähnlichen Umgebung, wobei alle den Bildschirm und damit die Kamera im Blick haben. Zu den bewährten Vorgehensweisen gehört es, im Voraus festzulegen, welche Teile des Films wir testen möchten, und die emotionale Reaktion auf diese Szenen zu untersuchen. 

Die Forscher könnten Gruppentrends in diesen vordefinierten Segmenten analysieren oder eine stärker datengestützte Analyse durchführen, bei der sie Bereiche untersuchen, in denen bestimmte Emotionen wie Freude oder Überraschung ihren Höhepunkt erreichten, um so zu verstehen, was im Film geschah, als die Gruppe diese Emotionen zum Ausdruck brachte. Auf individueller Ebene können Personen, die besonders auffallen, für ein Interview nach der Vorführung herangezogen werden, um Untergruppen im Publikum besser zu verstehen. 

Fazit

Mimik spielte schon immer eine zentrale Rolle dabei, wie Menschen miteinander in Kontakt treten und kommunizieren. Was sich geändert hat, ist unsere Fähigkeit, sie in dynamischen, realen Situationen zu erfassen und zu interpretieren. Durch die gleichzeitige Untersuchung mehrerer Gesichter können Forscher über einzelne Reaktionen hinausgehen und tiefere Einblicke in den emotionalen Austausch, die Gruppendynamik und gemeinsame Erlebnisse gewinnen.

Ob in Zweiergesprächen, Fokusgruppen oder bei Publikumstests – ein durchdachtes Studiendesign ist entscheidend. Eine klare Segmentierung, strukturierte Gesprächsführung, Live-Marker und ergänzende Instrumente wie Stimm- oder physiologische Analysen tragen dazu bei, komplexe Interaktionen in aussagekräftige Daten umzuwandeln.

Da sich die Forschung zunehmend auf naturgetreuere Umgebungen verlagert, wird die gleichzeitige Analyse mehrerer Gesichter unerlässlich. Der Mensch hat sich nicht dazu entwickelt, Emotionen allein auszudrücken – und wenn wir verstehen, wie Emotionen sich in Gruppen ausbreiten, können wir die soziale Welt selbst besser begreifen.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Wie funktioniert die Multiface-Analyse in der Praxis?

Unter „Multiface-Analyse in der Praxis“ versteht man die eingehende Untersuchung der Gesichtsausdrücke mehrerer Personen gleichzeitig in interaktiven Gruppensituationen wie Zweiergesprächen, Fokusgruppen und Publikumstests.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Emotionsforschung, die sich auf einzelne Probanden konzentriert, erfasst diese Methode den emotionalen Austausch zwischen Menschen in Echtzeit. Sie ermöglicht es Forschern zu verstehen, wie sich Emotionen innerhalb einer Gruppe ausbreiten, synchronisieren oder auseinanderentwickeln, und liefert so tiefere Einblicke in die Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse.

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2. Wie wird die Multiface-Analyse in der Forschung zur dyadischen Interaktion eingesetzt?

In der dyadischen Forschung, beispielsweise bei Arzt-Patienten-Gesprächen, politischen Debatten oder Feedback-Gesprächen in Führungspositionen, hilft die Multiface-Analyse dabei, zu verfolgen, wie die Mimik einer Person die emotionale Reaktion einer anderen Person beeinflusst.

Forscher können Gespräche in Sprech- und Zuhörphasen unterteilen, zentrale Diskussionsthemen markieren und emotionale Reaktionen auf bestimmte Argumente analysieren. Dieser strukturierte Ansatz deckt Muster von Empathie, Spannung, Zusammenarbeit oder Konflikt in der zwischenmenschlichen Kommunikation auf.

3. Warum ist die Multiface-Analyse bei Fokusgruppen und Produkttests von Nutzen?

Die Multiface-Analyse in der Praxis bereichert die Fokusgruppenforschung, indem sie sowohl individuelle als auch gruppenbezogene emotionale Reaktionen auf Produkte oder Dienstleistungen misst.

Durch die Unterteilung der Sitzungen in vordefinierte Segmente (wie Verpackung, Duft, Textur oder Geschmack) können Forscher genau ermitteln, welche Produkteigenschaften positive oder negative emotionale Reaktionen auslösen. Dies verringert die Abhängigkeit von selbstberichteten Rückmeldungen und liefert objektive emotionale Daten für eine klarere Entscheidungsfindung.

4. Wie sollten Forscher eine Multiface-Studie für Clean strukturieren? 4. Lässt sich die Multiface-Analyse auf Zielgruppentests anwenden?

Ja. Zielgruppentests gehören zu den wirkungsvollsten Anwendungsbereichen der Multiface-Analyse in der Praxis.

Forscher können die gesammelten emotionalen Reaktionen während Filmen, Ausstellungen oder Live-Veranstaltungen messen. Durch die Analyse emotionaler Höhepunkte – wie Freude, Überraschung oder Verwirrung – können sie ermitteln, welche Momente bei den Zuschauern den stärksten Anklang fanden. Dies trägt dazu bei, das Storytelling, die Strategien zur Zuschauerbindung und die Gestaltung des Gesamterlebnisses für das Publikum zu verbessern.

5. Welche Technologien unterstützen die Multiface-Analyse in der Praxis?

Die moderne Multifaktoranalyse stützt sich auf fortschrittliche Technologien, darunter:

  • KI-gestützte Gesichtserkennung
  • Hochauflösende Kamera-Tracking-Systeme
  • Tools zur Analyse von Stimmlage und Sprache
  • Biosensoren zur Messung der Herzfrequenz und der Hautleitfähigkeit
  • Live-Ereignismarker für eine präzise Segmentierung

In Kombination bieten diese Instrumente einen vielschichtigen Einblick in emotionale Interaktionen und liefern tiefere Erkenntnisse darüber, wie Menschen in realen Gruppenumgebungen kommunizieren.


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